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Olympia 2026: „Solche Chance bietet sich nie wieder“

2026 wird das olympische Feuer nicht zum dritten Mal in Innsbruck, sondern anderswo entzündet. Die Vergabe der Winterspiele erfolgt bei der IOC-Versammlung 2019.
2026 wird das olympische Feuer nicht zum dritten Mal in Innsbruck, sondern anderswo entzündet. Die Vergabe der Winterspiele erfolgt bei der IOC-Versammlung 2019.(c) APA/EXPA/ JOHANN GRODER (EXPA/ JOHANN GRODER)
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Tirols Bevölkerung stimmte gegen die Kandidatur für Winterspiele. ÖOC-Präsident Karl Stoss bedauert den Rückschlag und beklagt ein Standingproblem des Sports in Österreich.

Pyeongchang. Die Ambitionen, Olympische Winterspiele nach 1964 und 1976 zum dritten Mal nach Österreich zu holen, sind im Zuge der Tiroler Volksbefragung am Sonntag im Keim erstickt worden. Inklusive Wahlkarten lehnten 53,25 Prozent Olympia 2026 vor der eigenen Haustür ab, es war letztlich ein klares Votum und ein unmissverständliches Signal. Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympischen Comités, hatte bis zuletzt auf ein positives Ergebnis gehofft. Ausgerechnet in Pyeongchang, wo im Februar 2018 die nächsten Winterspiele in Szene gehen, schilderte er bei einem Termin mit heimischen Medienvertretern seine Gedanken. „So eine Chance wird sich nie wieder bieten“, sagte ein geknickter Stoss.

Besonders groß war die Enttäuschung über die Ablehnung Innsbrucks (67,41 Prozent gegen die Bewerbung) und Kitzbühels (52,40 Prozent gegen die Bewerbung), generell sei man im urbanen Raum mit der olympischen Idee nicht gut angekommen. In der Gamsstadt „könnte man beleidigt sein, weil dort keine Alpinbewerbe vorgesehen waren“, mutmaßte Stoss. „Vielleicht geht es ihnen dort ja zu gut.“ Benjamin Raich, Stephan Eberharter, Toni Innauer, Leonhard Stock – sie alle hatten im Vorfeld eifrigst die Werbetrommel gerührt, die Bevölkerung aber ließ sich auch von den großen Sportstars nicht ausreichend überzeugen. Das Misstrauen, in eine Kosten- oder Korruptionsfalle zu tappen, war wohl zu groß. Vielerorts fehlte es auch schlicht am Interesse.

 

Exzellente Aussichten vertan

Rund 50 Informationsveranstaltungen hatten tirolweit in den vergangenen Wochen und Monaten stattgefunden, oftmals vor nahezu leeren Rängen. An diesem Punkt stellte Stoss auch die Sinnhaftigkeit einer Volksbefragung zur Debatte, sollten die Wählerinnen und Wähler doch von ihrem Recht und ihrer Pflicht Gebrauch machen, sich ausreichend zu informieren. In Paris (2024) und Los Angeles (2028) segnete einzig die Politik die Bewerbung ab, das Volk wurde nicht befragt – und befürwortet nach dem Zuschlag die Spiele nun dennoch mit überwältigender Mehrheit. Tirol, dahingehend ist man sich beim ÖOC einig, hätte für 2026 exzellente Chancen auf eine Ausrichtung gehabt, wird doch der Wunsch nach Veränderung im IOC, weg von der Gigantomanie, zusehends größer. „Und dieser Wunsch wird nach den nächsten Winterspielen in Pyeongchang und Peking weiter wachsen“, versicherte Stoss. Das IOC hofft für 2026 jetzt wohl auf eine Bewerbung Sions, in der Schweiz droht allerdings ein ähnlicher Ausgang wie in Tirol.

Der Landespolitik wollte Stoss keine Schuld für das Scheitern geben, sehr wohl sehe er aber ein tief verwurzeltes Standingproblem des Sports in Österreich. Es kann schließlich nicht bloß Zufall sein, dass dieser während eines wochenlangen Wahlkampfs nicht ein einziges Mal zum Thema gemacht wurde. „Sport hat in unserer Gesellschaft einen so geringen Stellenwert, dass es fast schon erschreckend ist“, mahnte der Vorarlberger und skizzierte ein Bild der bevorstehenden Koalitionsverhandlungen. „Das Sportressort ist immer das letzte, das behandelt wird.“

 

„Sommerspiele unrealistisch“

Dass Österreich sich mittelfristig abermals für die Austragung Olympischer Spiele bewerben werde, wollte Stoss selbst in der Stunde der Niederlage nicht ausschließen. Allerdings, erste Signale müssten dann wohl von Seiten der Politik und des Volkes ausgehen, „denn aufzwingen tun wir niemandem etwas“. Winterspiele seien naheliegender, Sommerspiele schließt der 60-Jährige nahezu aus. „Die nötige Infrastruktur kann sich unser Land allein nicht leisten.“ Realistischer wäre da schon eine Lösung mit Partnerstädten wie etwa Budapest und Bratislava. Vorerst überwiegt ohnehin nur die Enttäuschung: „Das ist ein Rückschlag für den gesamten österreichischen Sport.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2017)