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Auschwitz-Ermittlungen: Schwedisches Neonazi-Komplott

Auschwitz-Ermittlungen: Schwedisches Neonazi-Komplott
(c) REUTERS (Irek Dorozanski)
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Sollte gestohlenes „Arbeit macht frei“-Schild Terror finanzieren? Die Spur des Schildes des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz führt nach Schweden. Der Verkauf sollte zum Kauf von Waffen verwendet werden.

Kopenhagen. Die Spur des gestohlenen „Arbeit macht frei“-Schildes des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz führt nach Schweden: Die Staatsanwaltschaft im polnischen Krakau bat am Mittwoch Schweden um Rechtshilfe und bekräftigte damit indirekt Presseberichte, dass die Hintermänner des Diebstahls in der schwedischen Neonazi-Szene zu suchen seien. Der Verkauf des am 18. Dezember gestohlenen Schildes sollte zum Kauf von Waffen verwendet werden, so der Verdacht. Potenzielle Käufer des Schildes seien Sammler in den USA oder Großbritannien gewesen.

Nun fahndet Schwedens Geheimdienst SÄPO nach den Drahtziehern. Ein SÄPO-Sprecher wollte am Mittwoch zu Details nicht Stellung nehmen, bestätigte aber, dass man angebliche Attentatspläne auf den Reichstag in Stockholm, das Außenministerium und die Wohnung von Premier Fredrik Reinfeldt untersuche. Darüber hatte das Boulevardblatt „Aftonbladet“ berichtet.

Zu den Plänen zählte angeblich, im Parlament wahllos auf Abgeordnete zu schießen. Quelle war ein anonymer Neonazi. Andere schwedische Medien griffen den „Aftonbladet“-Bericht nicht auf, da große Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Informanten bestehen. Dieser gab an, sich von der „zu laschen“ Neonazi-Szene getrennt und militanteren Gruppen angeschlossen zu haben.

Der polnische Justizminister Krzysztof Kwiatkowski sagte, dass die Ermittlungen eine „breitere Dimension als ursprünglich vermutet“ angenommen hätten. Fünf einheimische Diebe waren drei Tage nach der Tat festgenommen, der beschädigte Schriftzug in einem Wald gefunden worden.

Die Täter sollen nicht selbst der rechten Szene angehören, sondern eine Auftragsarbeit durchgeführt haben. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Angeblich sollte die Beute auf einer Fähre von Polen nach Schweden gebracht werden.

 

Mord- und Gewaltwelle in 1990ern

Schwedische Neonazis hatten das Land Ende der 1990er-Jahre mit einer Mord- und Gewaltwelle überzogen, die rechte Szene galt als klein, aber äußerst brutal. In den vergangenen Jahren traten die Extremisten kaum noch in Erscheinung. Ob sie das Potenzial für organisierte Gewalttaten haben, ist umstritten. Doch der rechte, fremdenfeindliche Flügel hat Aufwind. Mit den „Schwedendemokraten“, die in Umfragen bei rund fünf Prozent liegen, hat bei den Wahlen im kommenden September erstmals eine betont antiislamische Partei die Chance, ins Parlament einzuziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2009)