E-Mobility ist längst keine Seltenheit mehr. Dennoch ranken sich zahlreiche Mythen um die neuen Autos.
Auf Österreichs Straßen sind bereits mehr als 13.000 reine E-Autos unterwegs. Dennoch löst der Anblick von Fahrzeugen ohne Auspuff und ohne Geräuschkulisse immer noch mitunter staunende oder fragende Blicke aus. Vor allem, wenn anstatt einer Tankklappe plötzlich ein Stecker zum Vorschein kommt. Folgende sieben Antworten auf Fragen zum großen Trend der E-Mobilität, der nicht automatisch Tesla heißen muss.
1) Spare ich mit dem E-Auto wirklich etwas?
Denkt man derzeit an E-Autos, hat man meist das Bild eines Tesla im Kopf und damit einen Sportwagen. Fakt ist: Was zählt, ist der Blick unter die Haube. Mit einem E-Auto erspart man sich aufgrund des Motors mit wenig beweglichen Teilen circa 200 Euro pro Jahr an Wartungskosten. Bei 15.000 gefahrenen Kilometern im Jahr liegt die Ersparnis bei den Treibstoffkosten am Beispiel eines Kleinwagens bei rund 900 Euro. Berechnet man den TCO („Total Cost of Ownership“ ), in den Werte wie Behaltdauer, Fahrleistung und mehr einfließen, steigt man in allen Klassen und bei allen Modellen von BMW über VW bis hin zu KIA mit den Elektro-Modellen oft günstiger aus als bei den konventionellen Autos der gleichen Hersteller.
2) Wie weit komme ich mit einem Elektro-Auto?
Wer sich diese Frage stellt, muss sich zuvor noch fragen: Wie weit fahre ich denn? Nur fünf Prozent der täglichen Autofahrten, die Österreicherinnen und Österreicher an Werktagen absolvieren, sind länger als 50 Kilometer. Man sollte also bei der Frage, wie weit man mit einem E-Auto kommt, nicht immer die Langstrecke in den Fokus stellen. Im Schnitt schafften laut Herstellerangaben E-Autos im Jahr 2017 mit einer vollen Akku-Ladung jedenfalls 270 Kilometer. Teslas Model S erreicht rund 500 Kilometern. Natürlich sind diese Werte, wie auch bei den Verbrennungsmotoren, abhängig von Fahrverhalten, Klima, Straße und Gewicht. Dennoch: E-Mobilität ist angesichts dieser Zahlen gerade für Pendler ein äußerst attraktives Feld. Auch weil die Entwicklung stimmt: Vor vier Jahren stand man noch bei 110 Kilometer Reichweite.
Was das Elektroauto tatsächlich bringt
Elektromobilität gilt als großer Hoffnungsträger für eine Treibhausgasreduktion im Verkehrsbereich. Nach dem E-Bike setzt sich auch das E-Auto zunehmend am globalen Markt durch. Neue Modelle, höhere Reichweiten, sinkende Kosten gehen Hand in Hand mit großen Umwälzungen in der Stromerzeugung, bei der erneuerbare Energieträger zunehmend die fossilen ablösen. Viele fragen sich:
Bringt das E-Auto schon etwas?Was passiert mit dem Akku?Rechnet sich das auch volkswirtschaftlich?
Der gemeinsam von Klima- und Energiefonds sowie dem VCÖ herausgegebene „Faktencheck E-Mobilität“ will die viel diskutierte Zukunft der Mobilität und die Rolle der Elektroautos aus Klimaschutzperspektive erläutern und einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion leisten.
3) Wo lade ich überhaupt?
Das größte zusammenhängende Ladenetz in Österreich ist jenes des BEÖ (Bundesverband Elektromobilität Österreich). Laut BEÖ gibt es schon jetzt alle 60 Kilometer einen Ladepunkt. Ende 2017 werden es zwischen Wien und Bregenz insgesamt 2000 Ladepunkte sein, an denen mittels Ladekarte oder App bezahlt wird und nach Minuten am Ladestandort und nicht nach Strompreis abgerechnet wird.
4) … aber das Laden ist doch mühsam, oder?
Smartphones haben uns gelehrt, dass das Aufladen längst ein alltäglicher Vorgang ist. Ebenso verhält es sich mit dem E-Auto. Mit einer normalen Haushaltssteckdose (bis zu 3,7 kW) dauert es zwischen acht und elf Stunden, also geeignet für die Nacht, bis sich das Auto voll auflädt. Andere Ladeeinrichtungen und technische Voraussetzungen im Auto garantieren natürlich schnellere Ladungen. Für eine Reichweite von 100 Kilometer lädt man an einem Ladepunkt mit 22 kW etwa eine Stunde. Bei der rasanten technischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass das erhoffte Zukunftsszenario von einer Ladung von 10 Minuten für 100 Kilometer bald Realität werden könnte.
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5) Was ändert sich beim Fahren?
Es ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, wenn das Auto Vibrationen und auch die Geräuschkulisse vermissen lässt. Aber auch dieser Eingewöhnungsfaktor ist bald Geschichte: Ab 2019 werden E-Autos mit künstlichen Geräuschen ausgestattet, um das Unfallrisiko durch die Geräuscharmut nicht zu erhöhen. Apropos Unfall: Es ist nicht möglich, bei einem Unfall mit dem Fahrzeug einen Stromschlag zu bekommen. Unzählige Crashtests haben dies bestätigt. Im Falle eines Unfalls schaltet sich die ohnehin gut verbaute Batterie ab. Auch in Sachen Beschleunigung besteht kein Nachteil gegenüber dem Verbrennungsmotor. Elektronisch gesteuerte Elektromotoren können ihr maximales Drehmoment bereits im Stillstand abgeben – umso wichtiger ist eine verantwortungsvolle Fahrweise. Die Zufriedenheit mit E-Autos stimmt jedenfalls: Bei einer Untersuchung des Norwegian Centre for Transport Research (2014) wurde festgestellt, dass sich von den rund 1.700 Elektroauto-Besitzern nur ein Prozent heute kein Elektroauto mehr anschaffen würde.
6) Privat ist die eine Sache, aber was mache ich im Betrieb?
E-Mobilität ist auch in Betrieben und Gemeinden ein großes Thema. In Österreich stellt die Post die größte E-Flotte, deren Aufbau der Klima- und Energiefonds tatkräftig unterstützt hat. Bei einer Umfrage gaben 92 Prozent der Fahrer an, mit dem E-Auto zufrieden zu sein. Auf der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Seite überwiegen Vorteile wie Ersparnisse bei der Wartung, beim Laden und steuerliche Erleichterungen wie der Wegfall der NOVA und seit 2016 das Recht auf Vorsteuerabzug. Kalkulationen von Raiffeisen-Leasing zeigen beispielsweise über die Lebensdauer einen Kostenvorteil von bis zu 35.000 Euro gegenüber betrieblich verwendeten Autos mit Verbrennungsmotoren.
7) Was mache ich fürs Klima?
Der Verkehr ist für über 20 Prozent der Treibhausgasemission der EU verantwortlich. In Österreich sind es 28 Prozent. Hinzu kommt, dass dieser Sektor der einzige ist, der seit 1990 einen massiven Anstieg an Emissionen um fast 60% zu verzeichnen hat. Vor dem Hintergrund des Pariser Klimaabkommens will und muss Österreich bis zum Jahr 2050 einen weitgehend CO2-neutralen Verkehrssektor erreichen. Wie viel die Wende hin zu E-Autos hier bewirken kann, zeigt dieses Beispiel: Ein Diesel-PKW inklusive Kraftstoff-Herstellung verursacht laut Faktencheck E-Mobilität pro Kilometer neun Mal so viel klimaschädliches CO² im Gegensatz zu E-Autos, die mit erneuerbarer Energie gespeist werden.