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Christoph Chorherr: "Wir waren zu belehrend"

Christoph Chorherr in der "ZiB 24".
Christoph Chorherr in der "ZiB 24".(c) Screenshot
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"Da hat sich bei vielen ein Ton eingeschlichen, wo uns die Leute gesagt haben, die hören uns nicht mehr zu, die wollen uns belehren, die haben den Zeigefinger eingebaut", sagt der ehemalige Bundessprecher der Grünen selbstkritisch.

Christoph Chorherr, der ehemalige Bundessprecher der Grünen, sprach am Dienstagabend im "ZiB 24"-Interview über seine Enttäuschung über das Wahlergebnis. "Wir haben offensichtlich viel falsch gemacht", gab er gleich zu Beginn zu. Er wolle nun aber nicht schnell zur Tagesordnung übergehen und die "Kritik, die wir ja schon lange hören, ernst nehmen". Ähnlich wie Grünen-Urgestein Johannes Voggenhuber denkt auch er an, die Grünen neu zu gründen.

Die Grünen würden zu oft als belehrend wahrgenommen, habe er etwa in einem ausführlichen Blog-Eintrag geschrieben. "Es kommt oft rüber, wir wollen tief in dein Leben eingreifen", sagte Chorherr. "Da hat sich auch bei vielen, auch bei mir manchmal vielleicht, ein Ton eingeschlichen, wo uns die Leute gesagt haben, die hören uns nicht mehr zu, die wollen uns belehren, die haben den Zeigefinger eingebaut." Es mangle bei der Vermittlung der Botschaften: "Die ökologische Fundierung ist für mich außer Streit, viele andere Dinge sind auch außer Streit, aber wie wir es vermitteln: Da gehört mehr Pfiff dahinter, da gehört auch mehr Lust."

"Großes Comeback bei Europa-Wahlen 2019"

Auch in der Klimafrage habe man vielleicht zu viel Angst gemacht. Man wolle den Menschen mehr zeigen, dass es Lösungen gebe, an denen man mitwirken könne. Vor dem Rücktritt von Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek und Bundessprecherin Ingrid Felipe habe er großen Respekt, so Chorherr.

Die Partei müsse aber nun neue Wege gehen. Seine Partei sei in vielen Bereichen sehr eng geworden. "Bis 2019 sollten wir so weit sein, dass wir ein großes Comeback bei den Europa-Wahlen feiern", gab sich Chorherr optimistisch. Die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou sieht er nicht in Frage gestellt. Man könne jetzt nicht nur Köpfe an der Spitze tauschen. Es gehe um andere Dinge: "Wie vermitteln wir unsere Verkehrspolitik, dass es nicht darum geht Autofahrer zu schikanieren, sondern Raum für Kinder, für Fußgänger, auch für Radfahrer zu schaffen."

"Wir alle werden das stemmen"

Dass die Landesorganisationen nun für das finanzielle Problem der Bundesorganisation aufkommen sollen, hält Chorherr für "unsere Verantwortung". "Die Alternative wäre, wir schicken den Bund in den Konkurs. Was soll den das sein? Wir sind alle die Grünen und wir werden das stemmen." Natürlich werde das ein sehr langfristiges Projekt sein. Selbstkritisch merkte er an, dass die Partei mehr Geld ausgegeben habe als andere, die dann erfolgreicher waren. Er spielte damit auf Grünen-Aussteiger Peter Pilz an, der mit seiner eigenen Liste den Einzug ins Parlament geschafft hat. "Mehr Plakate und mehr Gimmicks auszuteilen, ist vielleicht auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Vielleicht kann man mit weniger Geld eine bessere Politik machen."

Chorherr zeigte sich abschließend sicher, dass die Grünen wieder ins Parlament einziehen werden. Auch in Deutschland sei das gelungen. Es sei allerdings ein steiniger Weg. "Man muss auch einmal niederfallen, um wieder aufstehen zu können", zitierte er einen Spruch von Samuel Beckett auf seinem T-Shirt.

(Red.)