Strache: "Manche in SPÖ würden alles für Machterhalt tun"

FPÖ-Chef Strache bei der Pressekonferenz am Mittwoch
FPÖ-Chef Strache bei der Pressekonferenz am MittwochAPA/HELMUT FOHRINGER
  • Drucken

Der FPÖ-Chef nennt als unverrückbare Koalitionsbedingung das Innenministerium für seine Partei. Andere Forderungen stellt er bislang nicht. Bundespräsident Van der Bellen richtet er aus, "keine Zensuren" zu verteilen.

Die Freiheitlichen sind bereit, über eine Koalition zu verhandeln. Die Bevölkerung habe für Veränderung gestimmt - eine "schwierige Aufgabe", der sich Parteiobmann Heinz-Christian Strache stellen will, wie er am Mittwoch in einer Pressekonferenz sagte. Denn: "Wir bestehen auf Veränderung." Man wolle den "sauberen, ehrlichen, konsequenten Weg" weitergehen, den man im Wahlkampf bereits beschritten habe und "freiheitliche Inhalte in einer Regierung einbringen", sollte man zu entsprechenden Verhandlungen eingeladen werden.

Am Zug sei nun die ÖVP von Sebastian Kurz, so Strache weiter, der zugleich betonte, "keine Parallelverhandlungen" eingehen zu wollen. "Wir machen vor niemanden einen Kniefall." Sollte man zu Gesprächen eingeladen werden, werde er ein Generalverhandlungsteam ernennen. Zudem betonte er, seine Partei habe aus der ersten Schwarz-Blauen-Regierung 2000 ihre Lehren gezogen. Fehler von damals werde man nicht mehr machen: "Wir werden als Dritter den Vierten nicht zum Kanzler machen."

>>> Was ÖVP, SPÖ, FPÖ eint, und was sie trennt

Generell habe man aber keine Eile: "Stress sollen sich andere machen." Ihm gehe es um die Inhalte, etwa den Schutz der österreichischen Grenzen, die Abschaffung der kalten Progression sowie steuerliche Entlastungen für die Bevölkerung. Unverrückbare Koalitionsbedingung sei lediglich der Posten des Innenministers für die "Sicherheitspartei FPÖ", wiederholte Strache eine bereits bekannte Forderung.

"FPÖ ist endgültig zur Mittelpartei aufgestiegen"

Ob er eine Koalition mit der Volkspartei oder den Sozialdemokraten bevorzuge, beantwortete der FPÖ-Obmann "teilweise". Konkret: Die SPÖ habe noch einen aufrechten Parteitagsbeschluss, in dem eine Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen auf Bundesebene ausgeschlossen werde. "So lange dieser Beschluss aufrecht ist, sehe ich keine Möglichkeit für rot-blaue Verhandlungen", betonte Strache. Außerdem habe Bundeskanzler Christian Kern im Wahlkampf angekündigt, bei Platz zwei in die Opposition wechseln zu wollen. Davon sei nun nicht viel zu merken, die Gefahr von Schwarz-Rot somit nicht gebannt: "Manche in der SPÖ würden für den Machterhalt alles tun."

Auch belächelte Strache die Sozialdemokraten dafür, dass sie ihr Ergebnis am Wahlabend bejubelt haben, "aber es soll jeder in seiner eigenen Fantasiewelt leben dürfen".

Zudem lobte Strache neuerlich den "großen Erfolg", den man am Sonntag erzielt habe. "Wir sind endgültig zur Mittelpartei aufgestiegen – nämlich auf Augenhöhe mit der ÖVP und ex aequo mit der SPÖ." Das sei in Prozent gesehen das zweitbeste Ergebnis seiner Partei bei Nationalratswahlen, nach Stimmen (1,3 Millionen Wähler) sogar das beste Ergebnis - besser noch als 1999 unter Jörg Haider.

>>> Überblick: Detailergebnisse, Koalitionsrechner, Wählerströme

Einen Seitenhieb auf die Grünen hatte Strache denn auch parat. Diese und die SPÖ seien die Wahlverlierer: Die Roten, weil sie "plus/minus null" Prozent geholt hätten, während ÖVP, FPÖ, Liste Pilz und Neos gewachsen seien. Die Grünen, weil sie dramatisch abgestürzt seien. "Die sind der große, endgültige Verlierer", so Strache, der als Grund dafür deren "oft ausschließlich hass-zerfressene Politik gegen die FPÖ" ausmachte.

Van der Bellen "hat keine Zensuren zu verteilen"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen richtete Strache denn auch etwas aus. Er sei gespannt auf seien heutige Unterhaltung mit diesem, spielte der FPÖ-Chef auf seinen Gesprächstermin am Nachmittag an: . "Ich freue mich schon sehr darauf und ich bin sehr gespannt auf seine Einschätzung der Situation." Er werde zu diesem Termin auch einige offene Fragen mitbringen, kündigte der FPÖ-Chef an. So könne sich Strache "nicht vorstellen", dass das Staatsoberhaupt gesagt habe – wie in machen Medien zu lesen gewesen sei -, dass für ihn gewisse Ministerien nicht in die Hand einer gewissen Partei fallen dürften: "Wir haben einen Präsidenten, der Wahlergebnisse und Verhandlungsergebnisse zu respektieren – und nicht Zensuren zu verteilen hat."

Norbert Hofer, Vizeparteichef und amtierender Dritter Nationalratspräsident erläuterte abschließend, dass die Freiheitlichen als Regierungspartei auch für Vorschläge der Opposition offen sein werden. Man wolle "einen Wettbewerb der besseren Ideen im Parlament". Gleichzeitig soll aber das Regierungsübereinkommen möglichst genau ausverhandelt werden, denn Verhandlungen im Nachhinein seien immer schwierig.

Tirols FPÖ-Chef Abwerzger präferiert Schwarz-Blau

Der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger sprach sich unterdessen für eine schwarz-blaue Regierung aus. "Realpolitisch" sei eine solche Zusammenarbeit wahrscheinlich, zudem habe Kurz im gesamten Wahlkampf ohnehin "mit blauer Zunge" gesprochen. Insofern würde Schwarz-Blau viel mehr dem Wählerwillen entsprechen. Die Freiheitlichen würden aber "nicht um jeden Preis" in eine Regierung gehen, unterstrich Abwerzger die Linie der Bundespartei.

Nationalratswahl 2017

Detailergebnisse zu Bundesländern, Bezirken und Gemeinden sowie Wahlbeteiligung, Mandatsverteilung, Koalitionsrechner und Wählerstromanalyse finden Sie im "Presse"-Wahlcenter.

Alle Reaktionen, Kommentare, Reportagen und Analysen zur Nationalratswahl 2017 auf www.diepresse.com/wahl17

(hell)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP)
Nationalratswahl 2019

Was sich in einem blauen Innenministerium ändern könnte

Das Innenministerium, das derzeit Wolfgang Sobotka für die Volkspartei führt, ist für die FPÖ Koalitionsbedingung. Welche Folgen hätte diese Umfärbung? Eine Analyse.
Würde in der Hofburg gerne als Regierungsmitglied angelobt werden: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.
Nationalratswahl 2019

Kurz fühlt bei Strache vor – und umgekehrt

Koalitionsverhandlungen. Ein erstes informelles Treffen fand am Mittwochabend statt, nächste Woche soll es ernst werden: Die FPÖ rechnet damit, dass sie von Sebastian Kurz eingeladen wird. Die nötigen Vorbereitungen wurden bereits getroffen.
FPÖ-Chef Strache
Nationalratswahl 2019

Strache pocht auf Innenminister für seine "Sicherheitspartei"

Die FPÖ versammelt sich heute zur Präsidiumssitzung, eine Koalitionspräferenz gibt es offiziell nicht. Auch hat der Parteichef "keinen Anlass für irgendeinen Stress".

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.