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Vorwürfe gegen abberufenen "Wiener Zeitung"-Chefredakteur

Archivbild vom entlassenen Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Reinhard Göweil.
Archivbild vom entlassenen Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Reinhard Göweil.APA/GEORG HOCHMUTH
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Die Geschäftsführung spricht von einem "anlassbedingten Vertrauensverlust". Medien berichten von Vorwürfen der sexuellen Belästigungen. Es gebe Screenshots einer Nachricht an eine Redakteurin.

Der Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Reinhard Göweil, ist am Freitagabend überraschend seiner Position enthoben worden. Die Wiener Zeitung GmbH habe sich gezwungen gesehen, Göweil "wegen eines anlassbedingten Vertrauensverlustes mit sofortiger Wirkung" von der Funktion als Chefredakteur abzuberufen und das Dienstverhältnis mit ihm zu beenden, teilte Geschäftsführer Wolfgang Riedler mit.

Bis auf Weiteres übernehmen die stellvertretenden Chefredakteure die Leitung der Redaktion, hieß es in der Aussendung. Über die genauen Hintergründe der Abberufung gab es von offizieller Seite keine Informationen. Wie der "Standard" in seiner Online-Ausgabe berichtete, liegt der Gleichbehandlungsanwaltschaft eine Beschwerde wegen sexueller Belästigung vor. Der stellvertretenden Chefredakteurin von "Vice", Hanna Herbst, liegt nach eigenen Angaben ein Screenshot einer Nachricht Göweils an eine Redakteurin vor, ebenso wie das Schreiben der Betroffenen an die Gleichbehandlungsanwaltschaft.

Als erstes Vorzeichen auf eine mögliche schwarzblaue Regierung sei die Entlassung jedenfalls nicht zu werten, wie die im Staatsbesitz stehende "Wiener Zeitung" am Freitagabend auf Twitter entsprechenden Spekulationen entgegentrat: "Die Entlassung erfolgte aus zwingenden arbeitsrechtlichen Gründen. Es gab dafür keinen politischen Anlass."

Göweil selbst schieb auf Twitter: "Das bestreite ich ganz entschieden. Jeder möge sich einen Reim darauf machen." Auf Facebook sprach Göweil von einem "bloßen Vorwand" für die Abberufung. "Es wurde kein dienstlicher Vorwurf gemacht. Im kommenden Prozess wird diese Begründung wohl nachgeliefert werden müssen." Politisch ist derzeit immer noch Kultur- und Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) verantwortlich für die "Wiener Zeitung". Die alte Regierung ist schließlich immer noch im Amt.

Auf die Vorwürfe der sexuellen Belästigung reagierte Göweil bisher noch nicht. Anfragen von "Standard" und Hanna Herbst blieben vorerst unbeantwortet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

"Keine alleinige Entscheidung der Geschäftsführung"

Göweil war 2009 als Nachfolger von Andreas Unterberger Chefredakteur der "Wiener Zeitung" geworden. Mit Jänner 2014 wurde sein Vertrag um fünf Jahre verlängert. Herausgeberin ist die Republik Österreich, in deren Alleineigentum die Gesellschaft steht; verwaltet werden die Anteile vom Bundeskanzleramt.

Der Schritt sei in Abstimmung mit der Eigentümerseite erfolgt und habe die Rückendeckung der Organe des Unternehmens, also des Aufsichtsrates, erklärte Geschäftsführer Riedler telefonisch gegenüber der Austria Presseagentur. "Es war keine alleinige Entscheidung der Geschäftsführung", so Riedler. Es handle sich um eine fristlose Kündigung aus arbeitsrechtlichen Gründen, anderen Behauptungen trete man entschieden entgegen.

Die "Wiener Zeitung" wurde laut Eigenangaben im Jahre 1703 unter dem Namen "Wiennerisches Diarium" gegründet und 1780 in "Wiener Zeitung" umbenannt. Die Wiener Tageszeitung gilt als die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt.

>> Der Artikel auf "derstandard.at"

(APA/Red.)