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"Die Gier is a Hund": Niki Lauda übt scharfe Kritik an Lufthansa

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Niki Lauda war selbst an seiner ehemaligen Airline interessiert.APA/AFP/JOE KLAMAR
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Der Name Niki wird wohl schon bald aus der Luftfahrt verschwinden, die Flugzeuge sollen für die Lufthansa-Tochter Eurowings fliegen. Der Niki-Gründer übt scharfe Kritik an der Übernahme.

Mit der insolventen Billigfluglinie Air Berlin verschwindet auch bald die Österreich-Tochter Niki: Die Flugzeuge werden ab 2018 unter der Marke Eurowings fliegen, sagte der Chef der Lufthansa-Tochter Eurowings, Thorsten Dirks in Wien. Als Firma werde die bisherige Air-Berlin-Tochter Niki mit ihren derzeit 870 Mitarbeitern und dem aktuellen Kollektivvertrag erhalten bleiben. Das sei schon alleine luftverkehrsrechtlich nötig. Wie es mit Niki sonst weitergeht, welche Flugzeuge künftig in Österreich stationiert sein werden, wollte Dirks mit Verweis auf die noch laufende Genehmigung des Deals durch die europäischen Wettbewerbshüter nicht beantworten.

Unterdessen meldete sich Airline-Gründer Niki Lauda zu Wort, der Niki 2003 gründete, 2011 an die Air Berlin verkaufte und heuer zurück erwerben wollte. Lauda spricht in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Bilanz" von einer Monopolstellung der Lufthansa auf innerdeutschen Strecken: "In Düsseldorf zum Beispiel sind jetzt 90 Prozent aller Slots für Starts und Landungen in Lufthansas Hand".

"Tickets werden sofort teurer"

Lauda erhebt den Vorwurf, dass die Regierung frühzeitig die Weichen gestellt hatte: "Die Lufthansa arbeitete seit Anfang des Jahres mit 60 Mann an der Air-Berlin-Übernahme. Die hatten vom ersten Tag an einen Plan, wie sie sich am einfachsten die Air Berlin unter den Nagel reißen." Er selbst sei vom Verkehrsministerium "nicht ernst" genommen worden.  Die Konsequenz des Deals ist für Lauda klar: Er führe dazu, "dass ab sofort alle Tickets teurer werden."

Außerdem kritisiert Lauda, dass sich die Lufthansa nicht um Air-Berlin-Kunden kümmert, die ihr Ticket nicht mehr einlösen konnten: "Da erwarte ich doch, dass die Lufthansa diesen Passagieren sagt, ihr könnt die Tickets bei uns verfliegen." Lauda dazu im Interview: "Die Gier is a Hund."

>>> Auszug aus dem "Bilanz"-Interview auf "Welt.de"

Closing bis Jahresende

Angemeldet wird der gesamte Deal zwischen Lufthansa und Air Berlin, der neben dem Kauf von Niki auch den Kauf der Luftfahrtgesellschaft Walter umfasst, im November. Dirks rechnet fest mit einem endgültigen Abschluss (Closing) bis Jahresende, sonst würden Niki wie auch Walter wohl zahlungsunfähig werden, sagte er. Bis dahin werde Niki als eigenständige Fluggesellschaft ihr Programm umsetzen. Der Masseverwalter von Air Berlin sei dafür verantwortlich, dass bei der insolventen Air Berlin genug Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Flugbetrieb von Niki so lange aufrecht zu erhalten.

Nach dem Closing werde Eurowings "sehr schnell ein eigenes Flugprogramm auflegen" und "so schnell wie möglich", also sobald die EU-Kommission als Wettbewerbsbehörde Grünes Licht gegeben hat, werden Strecken und Programm von Niki unter der Marke Eurowings vermarktet werden. Hauseigene Konkurrenz wird dabei in der Lufthansa-Gruppe nicht entstehen: Die Flüge innerhalb des Lufthansa-Konzerns werden "so weit wie möglich" abgestimmt, Flüge werden "komplementär" angeboten, sagte AUA-Sprecher Peter Thier in dem Pressegespräch: "Das gemeinsame Ziel ist es schon, dem Mitbewerb im Zusammenspiel der Marken möglichst viele Marktanteile abzujagen."

Premiummarken wie AUA sollen bleiben

Während die verschiedenen "Billigangebote" der Gruppe unter der Marke Eurowings zusammengefasst werden, sollen die Premiummarken AUA, Swiss und Lufthansa selber erhalten bleiben, sagte Dirks. Auch Brussels Airlines habe derzeit mit ihrer Nische Langstreckenflüge, insbesondere nach Afrika, eine so starken Marke, dass eine Änderung derzeit wohl keinen Sinn mache.

 

(red./APA)