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Ansichtskarten zeigen neuen Blick auf die NS-Zeit in Salzburg

www.ansichtssache.at
www.ansichtssache.at(c) Screenshot
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2018 jährt sich der "Anschluss" zum 80. Mal. Der KZ-Verband Salzburg hat dafür elf doppelseitig mit Fotos bedruckte Ansichtskarten herausgegeben. Aber sie tun das nicht auf den ersten Blick.

Der "Anschluss" Österreichs jährt sich im kommenden Jahr zum 80. Mal. Anlässlich des Gedenkjahres 2018 hat der KZ-Verband Salzburg am Nationalfeiertag sein Projekt "Ansichtssache" vorgestellt. Elf doppelseitig mit Fotos bedruckte Ansichtskarten verweisen auf die NS-Zeit in der Stadt Salzburg und die heutige Auseinandersetzung damit. Aber sie tun das nicht auf den ersten Blick.

"Die 22 Bilder alleine sagen noch nichts aus. Manchmal braucht es eine andere Sicht oder zusätzliche Informationen, um einen Sachverhalt zu verstehen", erklärte Projektkoordinator Marcus Hank. Darum wurden die Ansichtskarten mit QR-Codes bedruckt. Wer sie mit seinem Smartphone scannt, wird zu einer Website weiter geleitet, die knapp die Geschichten zu den Bildern erzählt. "Ich muss nachschauen, was dahinter steckt. Das führt idealerweise zu einem Aha-Effekt." Weiterführende Links erlauben dann die intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema.

Verborgene Gedenktafel, Reichsadler

Die Motive nehmen Bezug auf Ereignisse und Menschen, die als Gegner und Widerstandskämpfer aber auch als Unterstützer und Täter des Nationalsozialismus Geschichte in Salzburg gemacht haben. So zeigt eine Ansichtskarte auf der einen Seite eine heute kaum aufzufindende Gedenktafel am Hauptbahnhof, die an 28 antifaschistische Eisenbahner erinnert. Auf der anderen Kartenseite findet sich ein Bild des Reichsadlers, der bis ins Jahr 2008 noch auf einer Stütze der Autobahnbrücke Salzburg-Nord prominent zu sehen war.

Die Ansichtskarten verweisen vielfach auf aktuelle Debatten in der Stadt - etwa die Aberkennung des Ehrendoktorats für den Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz Ende 2015. Oder der Streit, ob eine nach dem NS-Bildhauer Josef Thorak benannte Straße umbenannt werden soll. Oder die Frage nach dem Standort für das geplante Denkmal am Residenzplatz, dass an die einzige von Nationalsozialisten inszenierte Bücherverbrennung auf österreichischem Boden erinnern soll. "All diese Diskussionen zeigen, dass Geschichte nichts Finalisiertes ist, sondern sich weiter entwickelt", sagte Hank.

In einem ersten Schritt wurden 5000 Stück der Ansichtskarten produziert, die in einer Schutzhülle gemeinsam mit einem Stadtplan verteilt werden, der die Orten der Aufnahmen zeigt. "Damit den Menschen klar wird, dass die Motive reale Orte zeigen", erklärte Hank.

(APA)