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Literatur

Sucht nach zweitem Körper

Herausfordernd, eindringlich, überzeugend: Olga Flors Roman „Klartraum“ beschreibt den Entwurf einer unbeschränkten Liebe, einer zu Bruch gegangenen Leidenschaft in einem furiosen Aufschrei.

Banaler geht es kaum: Da gehen zwei Menschen eine Affäre ein, zwei Menschen, die anderweitig gebunden sind, Kinder haben und dennoch nicht von dem lassen können, was man zu Theodor Fontanes Zeiten einen „Schritt vom Wege“ genannt hätte. Das währt eine Weile, bis es schiefgeht und der Mann zu seinem alten, vertrauten Leben zurückkehrt, die Geliebte zurücklässt. So weit, so oft erzählt, so vorhersehbar in seinen Begleiterscheinungen und Folgen.

Dennoch: Die Schriftstellerin und Physikerin Olga Flor, 1968 in Wien geboren, kümmert sich in ihrem sechsten Roman herzlich wenig darum, was Kolleginnen und Kollegin vorher zu diesem Stoff beigetragen haben und wie beschwerlich es sein könnte, diesem neue Nuancen abzugewinnen. Sie lässt ihre Protagonistin – lapidar „P“ genannt – in einem furiosen Aufschrei, in einer vor nichts Halt machenden Niederschrift all das durchlaufen, was eine „unausweichliche, unaussprechliche, grenzenlose Liebe“ ausmachen soll. In Kapiteln, die immer wieder Überschriften wie „Verlust“, „Lust“, „Komik“ oder „Glück“ tragen, erzählt Olga Flor von einer aus Wien stammenden und in Berlin lebenden Frau, die verlassen wurde und diesen Schock nicht zu verkraften vermag.