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Rücktritte bei Dogan-Konzern und Zeitung "Hürriyet"

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der türkische Medienunternehmer Aydin Dogan übergibt die Konzern-Führung. Die Dogan-Tageszeitung "Hürriyet" bekommt einen neuen Chefredakteur. Hintergrund soll der Streit mit der Politik sein.

Einer der mächtigsten Männer der Türkei räumt das Feld: Aydin Dogan, der 73-jährige Gründer und Chef eines nach ihm benannten Medienkonzerns, tritt zurück und überlässt seiner 44-jährigen Tochter Arzuhan Dogan Yalcindag die Konzernführung. Das gab Dogan kurz vor Jahreswechsel in einer Mitteilung an die Istanbuler Börse bekannt.

Im Dogan-Konzern beschäftigt 18.000 Menschen, gibt Zeitungen wie "Hürriyet" heraus und Fernsehsendern wie CNN-Türk auch Tankstellen und Hotels. Hinter dem Rücktritt soll mehr als ein Generationswechsel stecken: Er gilt als Zeichen dafür, dass der Konzern in einem Streit mit der Regierung in Ankara nachgeben will. Dabei geht es um Steuernachforderungen in Milliardenhöhe und um den Vorwurf, dass Dogans Medien die Regierung Erdogan aus unlauteren Gründen sturmreif schießen wollen.

"Hürriyet" gegen die Regierung

Dafür, dass Dogan im Streit mit der Regierung einlenken will, spricht auch eine andere Personalentscheidung im Konzern: Zeitgleich mit Aydin Dogan trat Ertugrul Özkök als Chefredakteur des Dogan-Flaggschiffs "Hürriyet" von seinem Posten zurück.

Özkök hatte "Hürriyet" in den vergangenen Jahren auf eine regierungskritische Linie gesteuert, die nicht immer von journalistischen Grundsätzen gedeckt war, sondern zeitweise polemische und ideologische Züge trug. Im Machtkampf zwischen den fromm-konservativen Gefolgsleuten von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und den säkulären Eliten des Landes schlug sich Özkök auf die Seite der Regierungsgegner und besonders der Militärs.

Als die Erdogan-Partei AKP zusammen mit Rechtsnationalisten die Zulassung des islamischen Kopftuches an den Universitäten des Landes beschloss, ließ Özkök seine Zeitung titeln: "411 Stimmen für das Chaos." Wenig später hoben die Erdogan-Gegner im Verfassungsgericht die Kopftuchfreiheit wieder auf. Diese Art der Berichterstattung hat Erdogan dem "Hürriyet"-Chef Özkök nicht verziehen.

Rekordstrafe wegen Kritik an Erdogan?

Als die Dogan-Medien dann Erdogans Partei auch noch mit einem Spendenskandal in Deutschland in Verbindung brachten, brach zwischen Regierung und Medienkonzern offener Krieg aus. Der Premier rief seine Anhänger mehrfach auf, Dogan-Medien zu boykottieren. Dann wurden die Finanzbehörden aktiv.

Dogan soll nach dem Willen der Steuerbehörden umgerechnet rund zwei Milliarden Euro an Strafe zahlen. Kritiker im In- und Ausland, darunter die EU-Kommission in Brüssel, werten die Rekordstrafe für den Konzern als politisches Druckmittel und als Gefährdung der Pressefreiheit in der Türkei. Schließlich wurde die Rekordstrafe verhängt, nachdem die Dogan-Medien die Regierung von Erdogan in den vergangenen Jahren mehrfach heftig attackiert hatten.

Liberale könnten Springer den Weg ebnen

Özkök wurde von Enis Berberoglu abgelöst, dem bisherigen Bürochef der Zeitung in Ankara. Anders als Özkök gilt Berberoglu als Liberaler und als Verfechter einer stärkeren Demokratisierung der Türkei.

Nach Dogans Rücktritts wird nun erwartet, dass der Konzern energischer als bisher nach einer einvernehmlichen Lösung im Steuerstreit sucht. Eine Einigung zwischen dem Dogan-Konzern und den Behörden ist auch Voraussetzung für ein stärkeres Engagement des deutschen Springer-Konzerns bei dem türkischen Unternehmen.

 

(APA)