Google Nexus One: Das "Superphone" ist offiziell da

Google präsentiert sein
(c) Reuters (Robert Galbraith)
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Der Webgigant hat sein erstes eigenes Handy veröffentlicht. Mit einem rasanten Prozessor und vielen Extras will Google sein Android-Betriebssystem voll ausreizen und die iPhone-Konkurrenz toppen.

Nachdem Google mit seinem Android-Handybetriebssystem bereits für viel Wirbel gesorgt hat, wagt der Internetriese jetzt endgültig den Schritt in den mobilen Markt. Im Firmenhauptquartier in Mountain View, Kalifornien, wurde das lange erwartete "Nexus One" vorgestellt. Eine allzu große Überraschung war es nicht, das Gerät geisterte schon Wochen vorher durch die Fachmedien. Google-Manager Mario Queiroz nennt es während der Präsentation vollmundig "Superphone". Grund für den Alleingang war, dass bisher kein Hersteller nach Ansicht des Unternehmens wirklich das Potenzial von Android ausreizte. Google nimmt es damit nicht nur über Stellvertreter sondern direkt mit dem Rest der Handybranche auf.

Schneller Prozessor und viele Extras

Das Gerät besitzt einen Touchscreen mit 3,7 Zoll Bilddiagonale, 480 mal 800 Pixel und AMOLED-Display. Multitouch gibt es nicht aufgrund von drohenden Patentklagen. Für internationale Versionen könnte das aber per Software nachgerüstet werden, meint Google: "Wir überlegen es uns." Im Inneren werkt ein pfeilschneller Snapdragon-Prozessor mit 1 GHz Taktfrequenz. Entwickelt wurde das Gerät vom taiwanesischen Hersteller HTC, der bereits sechs eigene Smartphones mit Android-System erfolgreich auf den Markt gebracht hat. Google hat sehr genaue Vorgaben geliefert, was das Gerät können muss. Das Nexus One besitzt einen Kompass, GPS, Beschleunigungs- sowie Licht- und Annäherungssensoren. Unter dem Trackball verbirgt sich eine mehrfärbige LED, die Benutzern erleichtern soll, auf einen Blick zu sehen, ob gerade eine SMS hereingekommen ist oder ein Anruf verpasst wurde.

So leicht wie ein Taschenmesser

Auf der Rückseite befindet sich eine Kamera mit fünf Megapixel und LED-Blitz. Mit nur 512 Megabyte ist der interne Speicher recht klein - vor allem, da dort heruntergeladene Android-Anwendungen gespeichert werden. Google will aber per Software-Update die Möglichkeit nachrüsten, die Apps auch auf MicroSD-Karte zu speichern. Mitgeliefert wird eine Karte mit vier Gigabyte. Das "Superphone" ist 11,5 Millimeter dick und wiegt 130 Gramm - laut Google dasselbe Gewicht wie ein Schweizer Taschenmesser. Wer sein Nexus One personalisieren möchte, kann das mit einer Gravur auf der Rückseite machen. Apple bietet dieses Service bereits seit Längerem für seine iPod-Produkte an. Für Musikfreunde hat Google eine Geräuschreduzierung bei der Audiowiedergabe per Kopfhörer oder Bluetooth Audio eingebaut, das auf den Namen "Active Noise Suppression" hört.

Android mit 3D-Effekten und Spracheingabe

Softwareseitig kommt Android in Version 2.1 zum Einsatz. Verbessert wurden unter anderem die Programme für Nachrichten und das Wetter. Für einen netten Effekt sorgen bewegte Hintergrundbilder auf dem Startbildschirm. Weitere Spielereien inkludieren 3D-Effekte in Anwendungen wie etwa der Bildergalerie. Ähnlich dem iPhone 3GS beherrscht das Nexus One auch Spracheingabe, geht aber noch weiter. Produktmanager Erick Tseng demonstriert die Fähigkeiten, indem er eine E-Mail diktiert. Während der Live-Präsentation übersetzt sein Gerät seine Ansagen präzise in Text. Ähnlich funktioniert es auch im bald für Android erscheinenden Google Earth. "Flieg mich zum Fuji", befielt Tseng dem Nexus One und tatsächlich bewegt sich die Ansicht in 3D bis zur Spitze des Bergs in Japan.

US-Markt bevorzugt

Als ersten Betreiber-Partner hat Google T-Mobile auserkoren, das Gerät wird aber auch ohne Vertrag verfügbar sein. Vorerst allerdings nur in den USA. Großbritannien, Hongkong und Singapur sind derzeit "Testmärkte", mehr sollen noch folgen. In Österreich interessiert sich unter anderem A1 für das neue Google-Handy, Details zu einem Marktstart gibt es aber noch nicht. Auf einer neu eingerichteten Website stehen alle technischen Daten des Nexus One. Als Preis möchte Google 529 US-Dollar (rund 366 Euro) von seinen Kunden - mit T-Mobile-Vertrag kostet das Gerät 179 Dollar (124 Euro). Die Bestellung kann komplett per Internet abgewickelt werden. Das Nexus One ist zweifellos vollgestopft mit Funktionen und Ideen. Ob es aber ein "iPhone Killer" ist, wie es ein Journalist bei der Vorstellung ja fragen musste, wird erst der Markt zeigen. Und neben Apples iPhone sitzen noch andere Branchengrößen recht fest im Sattel in der Smartphonewelt. Wenn das Nexus One nicht überzeugen kann, nützen auch Schlagworte wie "Superphone" nichts.

(db)


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