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A4-Schlepperdrama: "Viel Geld ist am Tisch gelegen"

Als Hauptangeklagter in dem Fall gilt ein Afghane: Er soll die Fahrt organisiert haben.APA/ROLAND SCHLAGER
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Im Prozess wegen 71 Toten Flüchtlingen in einem Kühllaster sagt der Cousin des Hauptangeklagten aus. Auch der Händler des Todeslasters steht vor Gericht.

Der Prozess um den Erstickungstod von 71 Flüchtlingen, deren Leichen im August 2015 in einem Lkw an der Ostautobahn (A4) entdeckt wurden, ist am Dienstag mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt haben. Zunächst sagte ein Autohändler aus, welcher der Bande mehrere Fahrzeuge verkauft hatte. Darunter befand sich auch der Kühl-Lkw, in dem die 71 toten Flüchtlinge gefunden wurden.

Der Autohändler aus Kecskemet schilderte, wie er 2015 den Fünftangeklagten kennenlernte, der bei ihm Autos kaufte. Über ihn kam er auch mit dem Bandenboss und seinem Stellvertreter in Kontakt. Wofür seine Kunden die Kfz benötigten, wusste der Autohändler nicht. Jedenfalls habe der Erstangeklagte mit Bargeld bezahlt.

Der 52-jährige Fünftangeklagte habe die Fahrzeuge auf den Namen einer bulgarischen Firma erworben. Darunter befand sich der Volvo-Kühl-Lkw, der um 2,1 Millionen Forint (6.752,19 Euro) erworben wurde. Der Lastwagen sei am 25. August 2015 übergeben worden.

Zwei Tage später habe ihn der Fünftangeklagte in der Früh angerufen und ihm erzählt, er habe im Radio gehört, dass es ein Problem mit dem Lkw gebe. Er sei nach Bulgarien unterwegs und wollte nicht mehr angerufen werden, schilderte der Autohändler. Danach habe er nichts mehr von dem Angeklagten gehört.

Zeuge profitierte von Machenschaften des Cousins

Danach wurde der Cousin des Hauptangeklagten einvernommen. Der Afghane arbeitet in einer Pizzeria in Budapest. Er gab an, den Stellvertreter und den Fünftangeklagten zu kennen, aber nicht zu wissen, in welcher Beziehung die beiden zu seinem Cousin standen. "Mein Verwandter hat darüber nichts erzählt", sagte der Zeuge. Er selbst sei nach Ungarn geschleppt worden, etwa zwei Wochen vor der Verhaftung seines Cousins.

Er habe erst mit der Zeit mitbekommen, dass der 30-Jährige mit Schleppereien sein Geld verdiente. Für 15 Wochen hatte der Afghane seinem Verwandten in Budapest Unterschlupf gewährt. Der Cousin war Zeuge, als sich der Afghane mit jenem Mann traf, der in der Hierarchie der Schlepperorganisation über dem Hauptangeklagten gestanden sein soll.

Der Mann - ebenfalls Afghane - soll mit seinem 30-jährigen Komplizen in der Wohnung Geld gezählt haben. "Viel Geld ist am Tisch gelegen", berichtete der Zeuge. Die Freundschaft der beiden ging sogar soweit, dass sie gemeinsam mit der Frau des Hauptangeklagten eine Woche in Griechenland Urlaub machten.

Auch der Zeuge profitierte von den Machenschaften seines Cousins. Der 30-Jährige half ihm illegal über den Irak, der Türkei und Serbien nach Ungarn zu gelangen. Über einen Kontaktmann seines Cousins hat er für seine Schleppung bis nach Ungarn 8000 Euro bezahlt. Eigentlich wollte der Afghane nach Österreich, weil er dort Verwandte hatte.

(APA)