Ungewöhnlich große Neuschneemengen werden in den kommenden Tagen im Osten und Südosten Österreichs erwartet. In Wien verunglückte ein Mann beim Schneeräumen tödlich.
WIEN. Es war nur ein kleiner Vorgeschmack – mit den rund zehn Zentimeter Schnee, die in der Nacht auf Mittwoch in Wien gefallen sind, ist es jedenfalls nicht getan. Meteorologen prognostizieren einen heftigen Wintereinbruch, die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hat für Wien sogar eine rote, für Graz eine orange Schneewarnung herausgegeben. Was das bedeutet? Zamg-Meteorologe Christian Ortner: „Es kommt etwas Größeres auf uns zu.“
1. Ungewöhnlich große Schneemengen im Flachland
„Das ist sicher ein mehrjähriges Ereignis“, sagt Roland Reiter vom Wetterdienst Ubimet, „das letzte Schneeereignis dieser Größenordnung gab es in Wien im Jänner 2005.“ Die Rede ist vom Neuschnee, der für tiefwinterliche Verhältnisse im Flachland sorgen soll. Bis zu einem halben Meter prognostizieren die Meteorologen, und das vor allem im Osten und Südosten des Landes. Heute, Donnerstag, sollte es noch etwas ruhiger zugehen, die wirklich großen Schneemengen sollen ab Freitag kommen. In den Bergen kann es bis zu einen Meter Neuschnee geben – die Lawinengefahr ist dementsprechend hoch. Indes hat der Schnee in Wien ein erstes Todesopfer gefordert: Ein 36-jähriger Arbeiter brach beim Schneeräumen auf dem Gelände des Frachtenbahnhofs in der Taborstraße durch ein Dach ein. Wie es genau zu dem Unfall kam, wird noch ermittelt.
2. Am Wochenende droht ein Verkehrschaos
Mit schneebedeckten Fahrbahnen und eisglatten Straßen muss im ganzen Land gerechnet werden. Die Verkehrsexperten des ÖAMTC raten Autofahrern, die Geschwindigkeit zu reduzieren und den Sicherheitsabstand zu vergrößern. In höheren Lagen sollten zudem unbedingt Schneeketten mitgeführt werden. Zusätzlich fällt der Wintereinbruch genau auf das Ende der Weihnachtsferien in einigen deutschen Bundesländern und der Slowakei. Für den Rückreiseverkehr aus den Skigebieten bedeutet das, dass am Wochenende auf den Nord-Süd-Verbindungen in Westösterreich mit Staus zu rechnen sein wird.
3. Streu- und Räumkommandos im Großeinsatz
45 Zentimeter Schnee musste der Winterdienst der Wiener MA48 im vergangenen Winter räumen – insgesamt. In etwa diese Menge dürfte allein bis Sonntag fallen. Für die rund 1400 Mitarbeiter der MA48 bedeutet das vor allem früheren Dienstbeginn und verstärkten Einsatz am Wochenende. Zusätzlich können noch rund 400 Hilfskräfte kurzfristig zum Schneeräumen geordert werden. Insgesamt stehen 380Streufahrzeuge in verschiedenen Größen bereit, die mit Streusplitt, Salz oder Kaliumcarbonat gegen Schnee und Eis vorgehen. Neben der MA48 sind auch noch weitere Streu- und Räumdienste im Einsatz. Allein bei den Wiener Linien können 360Mitarbeiter, sowie 42 Triebwagen und 16 Groß-Lkw mit Schneepflügen eingesetzt werden – die in der Nacht bei Bedarf mit bis zu 1200Schneearbeitern verstärkt werden können.
4. Gefahr durch Schnee und Kälte für Arme und Obdachlose
Wenn die Temperaturen sinken, wird es vor allem für Menschen gefährlich, die auf der Straße leben. In der Gruft, der Notschlafstelle der Caritas in Wien Mariahilf, rechnet man jedenfalls mit einem noch größeren Ansturm. „Wir haben schon im Dezember rund 100 Menschen hier gehabt“, sagt Sozialarbeiterin Susanne Peter – für bis zu maximal 120 Menschen gibt es Platz. Der Wintereinbruch könnte dafür sorgen, dass es noch enger wird, denn „sogar die, die solche Einrichtungen sonst meiden, kommen dann“, so Peter. Mit größerem Andrang rechnet man auch im „Haus St. Josef“, einer provisorischen zweiten Notschlafstelle in Wien-Währing. Und dennoch gibt es auch bei winterlichen Verhältnissen Menschen, die keine Hilfseinrichtung aufsuchen. Für sie ist die Caritas dreimal pro Woche unterwegs, um Decken und winterfeste Schlafsäcke zu verteilen. Peter: „Für sie kann das zu einer Überlebensfrage werden.“
AUF EINEN BLICK
■Außergewöhnlich: Im Osten und Südosten des Landes sollen bis zum Sonntagabend etwa 40 bis 50 Zentimeter Neuschnee fallen. Statistisch kommt ein solches Ereignis seltener als einmal im Jahr vor. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) hat deshalb für Wien eine „rote Schneewarnung“ ausgegeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2010)