Casey Johnson, die Busenfreundin von Paris Hilton, lag fünf Tage lang tot in ihrem Haus. Sie kämpfte jahrelang gegen ihre Drogensucht. Nun gibt ihre Verlobte Tila Tequila der Trauer im Internet Ausdruck.
Der größte Fehler ihres Lebens, sagte Casey Johnson gern in Interviews, sei es gewesen, die Einladung von Paris Hilton zu einer gemeinsamen TV-Serie ausgeschlagen zu haben. Die beiden wuchsen Tür an Tür an der noblen Fifth Avenue in New York auf, gingen in dieselbe Schulklasse und feierten viele Partys zusammen.
Doch zu einem gemeinsamen Fernsehprojekt ist es nie gekommen, zu sehr war die 30-jährige Johnson den Drogen und dem Alkohol verfallen. Mehrere Entziehungskuren hatte die Ururenkelin des Gründers des Pharmakonzerns Johnson& Johnson erfolglos abgebrochen. Von ihrer Sucht war die an Diabetes erkrankte Millionenerbin bis zuletzt nicht losgekommen.
Nun ist Casey Johnson tot. Tagelang lag sie in ihrer Villa in Los Angeles, ohne das jemand davon Notiz genommen hatte. Ihr letztes Lebenszeichen datiert vom 29.Dezember. Per Internetnetzwerk Twitter wünschte sie ihren Freunden „süße Träume“ und fragte nach, ob sie sich als Nächstes einen Sport- oder einen Geländewagen kaufen solle.
Um die endgültige Todesursache festzustellen, muss noch die Obduktion abgewartet werden. Doch die meisten Klatschmagazine in den USA gehen von einem Mix aus Medikamenten und Drogen aus, der zum Tod geführt haben soll. Nach einem Streit mit ihrer Verlobten, dem MTV-Star Tila Tequila, dürfte die sich zur Homosexualität bekennende Johnson zu den Tabletten gegriffen haben, mutmaßen die Medien.
Der Drogenkonsum der in die Schlagzeilen gekommenen Millionärin war es auch, der vor fünf Jahren zum Bruch mit ihrer Familie geführt hatte. Ihr Vater Woody, Besitzer des New Yorker Football-Teams Jets, hoffte stets, dass seine Tochter in das Familienimperium der Johnsons einsteigt. Doch die Tochter entschied sich bereits in jungen Jahren, ein Leben an der Seite ihrer Freundinnen Paris Hilton und Lindsay Lohan als „Socialite“ zu führen. Mit ihrem Reichtum wusste Johnson nicht umzugehen, sie soll Millionen für Schmuck verprasst haben, ehe ihr der vermögende Johnson-Clan die Geldzufuhr abstellte. Mit dem offen zur Schau getragenen Reichtum konnte sich die Familie nie so richtig anfreunden, ebenso wenig wie mit ihrem an die Öffentlichkeit getragenen Liebesleben.
Trotzdem sprang die Mutter immer wieder für Casey in die Bresche. Als die Millionenerbin vor drei Jahren ein Kind aus Kasachstan adoptierte und schon kurz danach nicht mehr für das Mädchen sorgen konnte, nahm es die Mutter bei sich auf. Am Dienstag ließ der Clan verlauten, dass man über „den tragischen Verlust“ der Tochter trauert und „in dieser schwierigen Zeit“ um Privatsphäre bittet.
Weniger diskret geht die Verlobte Johnsons mit ihren Gefühlen um. Über Twitter hält Tila Tequila die Öffentlichkeit über ihre Emotionen am laufenden: „Das ist eine furchtbare Zeit für mich. Ich liebe dich so sehr. Wir heiraten, wenn wir uns im Himmel wiedersehen.“
Auch über den Tod der 30-Jährigen informierte sie sich per Internet, nachdem sie sich zuvor Zeit für ein anderes „Update“ genommen hatte: „Meine Verlobte ist gar nicht tot. Sie liegt nur im Koma. Ich bin fast zu Hause, Baby, halte bitte durch.“ Eine Falschinformation, wie sich später herausstellte.
Ihre einzige TV-Rolle, nachdem sie das Angebot von Paris Hilton abgelehnt hatte, landete Johnson 2004. Sie wurde in dem Dokumentarfilm „Born Rich“ porträtiert. Darin wird am Beispiel von elf Millionenerben dargestellt, wie Reichtum oftmals zum Fluch statt zum Segen werden kann.
AUF EINEN BLICK
■Casey Johnson wurde in ihrer Villa (Foto) in Los Angeles tot gefunden. Sie litt an Diabetes und versuchte, ohne Erfolg, von ihrer Drogensucht loszukommen. Zu ihren Freundinnen zählten Paris Hilton und Lindsay Lohan. [AP]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2010)