Sein Urgroßvater matchte sich mit dem Prediger Rasputin um den Einfluss auf den letzten Zaren. Alexis Rodzianko selbst vertritt heute die US-Wirtschaft in Moskau. Ein Gespräch über Familienerinnerungen an die Revolution, die Sinnlosigkeit von Sanktionen − und warum die USA die Gaspipeline Nord Stream 2 nicht verhindern werden.
Biografien gibt's! Nachfahre eines russischen Zarenberaters, gebürtiger Amerikaner, internationaler Top-Banker und nun in Zeiten der totalen Verwerfung zwischen USA und Russland oberster Vertreter der US-Wirtschaft in Moskau. Haben Sie oft Identitätsprobleme?
Alexis Rodzianko: Ständig. Aber an das meiste habe ich mich gewöhnt. In den USA halten sie mich für einen Russen, in Russland für einen Amerikaner. Was soll man dagegen tun! Ich liebe Amerika, wo ich aufgewachsen bin. Aber ich komme aus einer russischen Familie. Ich wünsche, dass beide Länder Erfolg haben. Und ich denke, dass vieles von dem, was Spannung erzeugt, nicht aus Grundsätzlichem kommt. Viel Unnötiges belastet unsere Beziehungen.
Woran dachten Sie in diesem Jahr des Gedenkens an die Oktoberrevolution 1917?
Es waren viele Emotionen. Am meisten gefällt mir, dass es nun zugängliche Daten gibt, an denen man die Ereignisse in ihrer stündlichen Abfolge nachlesen kann. Das schafft eine Vorstellung davon, wie es zur Provisorischen Regierung, zur Abdankung des Zaren, zur Fahrt Lenins im plombierten Zug kam.