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Afrikaner protestieren: Verwüstungen und Verletzte in Kalabrien

Krawalle in Kalabrien
(c) AP (Adriana Sapone)
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In Süditalien hat es schwere Zusammenstöße zwischen der Polizei und afrikanischen Einwanderern gegeben. Die Ausländer, die von der Mafia ausgebeutet werden, verlangen menschlichere Lebensbedingungen.

Bei einer Revolte afrikanischer Einwanderer, die am Donnerstagabend in der kalabresischen Stadt Rosarno ausgebrochen ist, sind nach Polizeiangaben 34 Personen verletzt worden. Zwei Migranten, 14 Italiener und 18 Polizisten mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Sieben Afrikaner wurden wegen Gewaltakten, Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt festgenommen. Die Unruhen waren am Donnerstagabend ausgebrochen, nachdem Unbekannte eine Gruppe von Einwanderern mit einem Luftdruckgewehr beschossen hatten. Dabei wurde ein Afrikaner verletzt. Dutzende setzten daraufhin in Rosarno Autos in Brand, zertrümmerten Schaufenster und riefen "Wir sind keine Tiere". Der einheimischen Bevölkerung warfen sie Rassismus vor.

Gespannte Lage am Freitag

Die Lage in Rosarno war auch am Freitag gespannt. Etwa 1500 afrikanische Einwanderer, die als Tagelöhner von der 'Ndrangheta, dem kalabresischen Arm der Mafia, in den Orangenfeldern ausgebeutet werden, demonstrierten vor dem Rathaus und verlangten bessere Lebensbedingungen. Ein Einheimischer feuerte zwei Warnschüsse ab, um die Demonstranten zu vertreiben. Einige Einwanderer bewarfen ein Fernsehteam mit Steinen.

Die meisten der 2500 Afrikaner, die in der 15.000-Seelen-Gemeinde leben, wohnen in Baracken oder in verlassenen Fabriken ohne Strom und Toiletten. Sie arbeiten 15 Stunden pro Tag für einen Hungerlohn. Viele Migranten werden von der 'Ndrangheta für kriminelle Aktionen eingesetzt. Nur die Hälfte hat eine Aufenthaltsgenehmigung. "Diese Revolte ist das Ergebnis eines unerträglichen Klimas in Rosarno, wo Migranten ausgenutzt und diskriminiert werden", sagte der Präsident der Region Kalabrien, Agazio Loiero.

Einheimische fühlen sich bedroht

Die Bewohner Rosarnos fühlen sich von der großen afrikanischen Gemeinde bedroht. "Wir können nicht zulassen, dass diese Migranten unsere Gemeinde verwüsten und die Bevölkerung terrorisieren. Die Bewohner Rosarnos haben ein Recht auf Sicherheit", sagte ein Lokalpolitiker. Der Gemeinderat Rosarnos war im Jänner 2008 wegen Verstrickungen der Politiker mit der 'Ndrangheta aufgelöst worden.

Der italienische Innenminister Roberto Maroni zeigte sich besorgt. "In all diesen Jahren ist eine illegale Migration toleriert worden, die von der organisierten Kriminalität ausgenutzt worden ist und zugleich für ethnische Konflikte wie in Rosarno sorgt", betonte Maroni in einem Interview am Freitag.

Sechsfachmord vor zwei Jahren

Spannungen zwischen afrikanischen Einwanderern und der Lokalbevölkerung in von der Mafia kontrollierten Gemeinden Süditaliens sind keine Neuigkeit. Bei Castelvolturno, etwa 35 Kilometer nordwestlich von Neapel, waren 2008 sechs Afrikaner von Mitgliedern der Camorra, dem neapolitanischen Zweig der Mafia, erschossen worden. Die Opfer sollen in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein. Hintergrund dieses Blutbads war der Streit um den illegalen Drogenmarkt oder um das lukrative Geschäft mit der Prostitution.

(APA)