Neues aus dem Untergrund: Laut Rathaus steht der Bestbieter für die Nutzung der Unterführung fest. Nur wer es ist, will die zuständige Magistratsabteilung (Finanzwesen) nicht verraten.
Wien. Was kann man mit einer dezent heruntergekommenen Innenstadt-Fußgängerunterführung, die seit Jahren keiner mehr braucht, anfangen? Seit einem halben Jahr, konkret seit vergangenem August, als das Rathaus aufrief, Konzepte für die vergessene Albertina-Passage vorzulegen, beschäftigt die Frage die Stadt. Nun, zwei Monate nach Schließung des baufälligen Ring-Tunnels, ist laut Austria Presse Agentur der Bestbieter gefunden – und die Antwort noch immer offen.
Denn wer es ist, will die zuständige Magistratsabteilung (Finanzwesen) nicht verraten. Allerdings verdichten sich die Gerüchte, dass es sich um alte Bekannte „aus dem Untergrund“ handeln könnte: Sunshine Enterprises. Das Unternehmen, zu dem mehrere Lokale und ein Radiosender (Superfly) gehören, betreibt nämlich bereits seit 2003 ziemlich erfolgreich den Club Passage in der früheren Babenberger Passage. „Es stimmt, dass mit uns verhandelt wird“, sagt Sunshine-Chef Matthias Kamp, „aber ich weiß ehrlich nicht, ob wir da die Einzigen sind.“ Bekäme Sunshine den Zuschlag, würde man in der 60-Jahre-Unterführung jedenfalls „sicher keine zweite Disco“ machen, versichert Kamp. Geplant sei vielmehr ein Gastronomieprojekt.
Untergrund, ausgehfein
Denn dort, wohin zuletzt nur ein einziger verbliebener Souvenirshop lockte, soll, wenn es nach Kamp geht, „ein Restaurant im internationalen Topbereich kombiniert mit Musik“ entstehen. Es wäre das nach dem „Comida“ das zweite Sunshine-Gastrolokal und Wiens erstes gehobenes Restaurant in einer Verkehrspassage – ist doch der Untergrund bis jetzt ausschließlich die Domäne der Snack-und Bäckereibetriebe.
Die definitive Entscheidung über die gesamte Nutzung der Albertina-Passage (immerhin 1500 Quadratmeter in bester Innenstadtlage) wird laut Magistrat jedenfalls noch im ersten Quartal 2010 im Gemeinderat fallen. Die Parameter für die Auswahl seien, heißt es, neben dem finanziellen Angebot eine „qualitätvolle, touristisch und ästhetisch attraktive Nutzung“.
Wie viele Interessenten es insgesamt für die Passage gab, die früher einmal auch als Schwulenstrich bekannt war, sagt man im Rathaus nicht. In die Öffentlichkeit gelangte nur ein Projekt, das von der Wiener ÖVP ins Spiel gebracht, aber letztlich gar nicht eingereicht wurde: ein Life-Ball-Shop, in dem im Dienste der Aids-Charity Merchandisingprodukte verkauft werden sollten.
Opernpassage: Bitte warten
Aber nicht nur in der Albertina-Passage stehen endgültige Beschlüsse noch aus: Auch die Revitalisierung der Opernpassage hängt noch in der Warteschleife. Wie „Die Presse“ berichtete, verzögert der Streit zwischen ansässigen Kaufleuten und Wiener Linien die Bauarbeiten. Laut eines Sprechers der Wiener Linien wurden die Verträge mit zwölf Geschäften gekündigt. Man sei bemüht, Ersatzlokale zu finden oder sich auf Entschädigungen zu einigen. Wann der für heuer geplante Umbau beginne, könne man aber „noch nicht fix“ sagen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2010)