Alfred Noll, Rechtsanwalt und Schriftsteller, ist die wohl schillerndste Figur der Liste Pilz. Der umtriebige Intellektuelle muss die Partei nun neu erfinden. Immerhin hat er sie auch schon miterfunden.
Es scheint ihm zu gefallen. Ein Scherz hier, ein Bonmot da. Small Talk mit Kanzler Christian Kern, mit FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, mit Neos-Chef Matthias Strolz, mit ÖVP-Abgeordnetem Martin Engelberg, wie er neu im Parlament. Kurz zuvor hat Alfred Noll an diesem Donnerstagvormittag, als er erstmals das Plenum betrat, nach seinem Platz im Nationalrat gesucht. Er fand ihn hinten in der letzten Reihe.
Alfred Noll – oder Alfred J. Noll, wie er sich selbst nennt – kennt hier viele. Und viele kennen ihn. Obwohl es sein erster Tag im Hohen Haus ist. Noll ist nicht nur ein bekannter Anwalt, sondern einer der namhaften Intellektuellen dieses Landes. Soeben hat er ein 1200-Seiten-Buch über den französischen Aufklärer und Staatsrechtler Charles de Montesquieu fertiggestellt, zuvor Monografien und rechtsphilosophische Schriften verfasst. Er malt, hält Vorträge, mischt sich in Debatten ein. So führte er im Vorjahr den juristisch-publizistischen Feldzug gegen den Verfassungsgerichtshof wegen der Aufhebung der Präsidentschaftswahl an.