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Lufthansa nutzt das Air-Berlin-Loch am Himmel

FILE PHOTO: A Lufthansa airliner taxis next to an Air Berlin aircraft at Tegel airport in Berlin
REUTERS
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Die Fluglinie will ab 2018 monatlich 1000 zusätzliche innerdeutsche Flugverbindungen anbieten. Laut italienischen Medien soll sie außerdem bis zu 500 Mio. Euro in die gebeutelte Alitalia stecken wollen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr fackelte nicht lange. Er nützt die Gunst der Stunde und kündigt nur gut zwei Wochen nach dem allerletzten offiziellen Flug einer Air-Berlin-Maschine von München nach Berlin an, tausend weitere innerdeutsche Flüge im Monat anbieten zu wollen.

Wie die deutsche "Bild" am Montag berichtete, sollen diese Verbindungen bereits ab Jänner 2018 bestehen. Damit werde der Engpass behoben, der durch den Wegfall des Konkurrenten entstanden sind. Derzeit sind Routen wie Berlin-München oder Berlin-Köln nahezu ausgebucht oder Tickets nur zu sehr hohen Preisen zu bekommen. "Ich kann versprechen, dass mit neuen innerdeutschen Flügen wieder stabile Preise kommen", sagte Spohr der Zeitung. "Wir als Lufthansa wollen ja nicht die deutschen Verbraucher gegen uns aufbringen. Wenn ich in 100 Tagen alle Sympathien verspielen würde, die die Lufthansa in 65 Jahren aufgebaut hat, dann wäre ich schlecht beraten." Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Die Lufthansa übernimmt große Anteile des Unternehmens.

Grünes Licht von EU-Wettbewerbshütern nötig

Lufthansa will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Mio. Euro einen beträchtlichen Teil des Air-Berlin-Flugbetriebs mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Wettbewerbshüter müssen dafür grünes Licht geben. Die Kommission hat nach der Anmeldung des Deals vor knapp zwei Wochen 25 Arbeitstage Zeit, das Geschäft abzuklopfen. Haben die Wettbewerbshüter Bedenken, können sie vertieft prüfen. Dann wären es noch einmal 90 Arbeitstage. Bis zum Abschluss der Prüfungen liegt das Geschäft auf Eis.

Spohr wies darauf hin, dass derzeit jeden Tag 60.000 Sitze fehlten. "Das kann keine Airline der Welt ausgleichen". Lufthansa tue, was sie könne, um gegenzusteuern. So werde zum Beispiel auf der Strecke Berlin-Frankfurt ein Jumbo eingesetzt. "Das rechnet sich betriebswirtschaftlich überhaupt nicht, weil es ein großes, teures Flugzeug ist. Aber es zeigt, dass wir helfen wollen", sagte der Lufthansa-Chef.

Bis zu 500 Millionen für die Alitalia?

Am Montag ließ auch die römische Tageszeitung "Il Messaggero" in puncto Lufthansa aufhorchen: Die deutsche Fluglinie wolle bis zu 250 Mio. Euro in die krisengeschüttelte Alitalia stecken. Der Betrag könnte aufgrund von Vereinbarungen mit der italienischen Regierung sogar verdoppelt werden.

Laut einem Plan, an dem die Chefetage der AUA-Mutter arbeitet, sollen bei der Alitalia 2000 Jobs wegfallen, vor allem im administrativen Bereich. Die neue Airline soll nicht mehr als 6000 Mitarbeiter zählen, circa 5000 weniger als heute. Die Flotte soll aus 90 bzw. 100 Maschinen bestehen. Die Lufthansa will vor allem die Wartungssparte verwerten.

Das Angebot der Lufthansa sei laut den drei Sonderkommissaren, die von der italienischen Regierung mit dem Verkauf der Airline beauftragt wurden, bisher das glaubwürdigste, das für die Airline eingetroffen ist. Aber auch der US-Fonds Cerberus arbeitet an einem Plan zur kompletten Übernahme der Alitalia. Das Offert des US-Investors wurde allerdings nicht im Rahmen des Wettbewerbs vorgestellt, den die Sonderverwalter der italienischen Fluglinie ausgeschrieben haben. Laut Medienberichten ist Cerberus bereit, zwischen 100 und 400 Mio. Euro für die Alitalia auszugeben.

Die italienische Regierung bemüht sich, Alitalia als Ganzes zu verkaufen und nicht den Flugbetrieb von den Bodendiensten zu trennen. Allerdings scheint fraglich, ob es überhaupt jemanden gibt, der Alitalia als Ganzes übernehmen würde. Die Fluggesellschaft gilt als nicht sanierbar. Der Billigflieger Ryanair hatte Ende September sein Interesse zurückgezogen.

(APA/AFP)