Ex-BayernLB-Chef und Investor widersprechen sich. "Kein Vorstandsvorsitzender kauft im Alleingang eine Bank."
Wien (ag). Zwei Kernfiguren in der Affäre rund um den Verkauf der Kärntner Hypo Group an die BayernLB gehen in deutschen Medien in die Offensive. Werner Schmidt, früher Chef der Bayerischen Landesbank und jetzt im Visier der Münchner Staatsanwaltschaft, wehrte sich in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gegen Vorwürfe, er trage Schuld an dem zu hohen Kaufpreis für die marode Hypo Alpe Adria: „Kein Vorstandsvorsitzender kauft im Alleingang eine Bank.“
An der Preisfindung hätten „gut 100Personen mitgerechnet“, alle Vorstandskollegen und Verwaltungsräte, gegen die jetzt nicht ermittelt wird, hätten den Deal um 1,6Mrd. Euro gebilligt. Außerdem beteuert Schmidt, es habe keine unlauteren Absprachen mit dem Investor Tilo Berlin gegeben. Das Berlin-Konsortium hatte kurz vor dem Verkauf seinen Hypo-Anteil auf 25Prozent und eine Aktie aufgestockt – und dabei einen Kredit der BayernLB genutzt. Auch für diesen Kredit liefert Schmidt eine Erklärung: Berlin habe die Finanzierung nur für einen kurzen Zeitraum gesichert, und nach Verzögerungen galt zu verhindern, dass ein anderer Kreditgeber Zugriff auf die Anteile erhält.
Berlin selbst stellt es allerdings, ebenfalls in der „FAZ“, anders dar: Er habe den Kredit „weder gebraucht noch gewollt. Wir hatten eine stabile Finanzierung.“ Aber die BayernLB habe ihm den Kredit eben angeboten, und er habe wegen der günstigen Konditionen zugesagt.
Auch in Bayern konstituiert sich indes ein U-Ausschuss zum Hypo-Debakel. Ab März soll dort auch der bayerische Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber aussagen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2010)