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Vorbild Berlin? "Ein Modell, wie Nichtraucherschutz nicht funktioniert"

Die neue schwarz-blaue Regierung beruft sich bei ihren Bestrebungen, das generelle Rauchverbot zu kippen, auf dieses Modell. Das Deutsche Krebsforschungszentrum rät davon ab: "Österreich wäre schlecht beraten."

Die neue schwarz-blaue Regierung will sich bei den Raucher-Regeln in der Gastronomie an dem "Berliner Modell" orientieren und das geplante von der ÖVP ehemals mitbeschlossene generelle Rauchverbot wieder kippen. Zwei führende Expertinnen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) warnen jetzt: Dieses "Berliner Modell" zeige laut den Erfahrungen, wie Nichtraucherschutz gerade nicht funktioniere.

Die Stellungnahme der Leiterin der DKFZ-Stabsstelle Krebsprävention und des an dem Zentrum angesiedelten WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle, Ute Mons, und ihrer Mitarbeiterin Katrin Schaller lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Mit dem 'Berliner Modell' seid ihr schlecht beraten. (...) Wenn sich Österreich beim Nichtraucherschutz schon an Deutschland (wir sind hier alles andere als vorbildlich!) orientieren will, dann seid ihr besser beraten, nicht auf Berlin, sondern auf München zu schauen. Ein umfassendes Rauchverbot ohne Ausnahmen ist wirksamer, leichter umzusetzen und besser zu kontrollieren."

In Österreich gehe es beim Nichtraucherschutz nun offenbar "mit Volldampf" zurück. "Statt des wirksamen und einfach umsetzbaren generellen Rauchverbots soll nun ein sogenanntes 'Berliner Modell' eingeführt werden. Ein Modell, das klar gezeigt hat, wie Nichtraucherschutz gerade nicht funktioniert", stellen die Expertinnen fest.

"Schwierig ein rauchfreies Lokal zu finden"

Ute Mons und Katrin Schaller führen die Erfahrungen in der Hauptstadt Deutschlands deshalb als Argumente gegen die Pläne der neuen österreichischen Regierung an: "So ist es in den Berliner Szenevierteln schwierig, ein rauchfreies Lokal zu finden, wie eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums gezeigt hat. Auch die Gesetzestreue der Gastronomen lässt in der Berliner Alltagsrealität zu wünschen übrig, denn die gesetzlichen Vorgaben werden meist nicht eingehalten: Es sind mehrere Räume vorhanden, obwohl Raucherlokale nur einen Raum haben dürfen oder es werden Speisen angeboten, obwohl das in Raucherlokalen nicht erlaubt ist. Einige Raucherlokale überschreiten die zulässigen 75 Quadratmeter und häufig fehlt am Eingang der Hinweis, dass Jugendliche keinen Zutritt haben. Apropos Raumgröße: Das derzeitige Gesetz in Österreich schreibt für reine Raucherlokale eine Raumgröße von maximal 50 Quadratmeter vor. Das 'Berliner Modell' würde die Raucherzonen um die Hälfte erweitern - ein schwerer gesundheitspolitischer Rückschritt."

Die Praxis in Berlin zeige zahlreiche Lücken. Nicht nur die kleinen Lokale, auch Restaurants hielten sich bei weitem nicht immer an die Vorschriften. Oft fehle die Trenntür zwischen Raucherraum und Nichtraucherraum oder sie stehe dauerhaft offen, damit die Kellner besser passieren könnten. Die Folge: Auch der Nichtraucherbereich sei voller Rauch.

Berlin hätte in Deutschland die meisten Raucher aller Bundesländer - auch die meisten durch Tabakrauch bedingten Todesfälle. Bayern hingegen, das seit 2010 ein vollständiges Rauchverbot in der Gastronomie hat, gehöre zu den Bundesländern mit den wenigsten Rauchern und den wenigsten tabakbedingten Todesfällen. Der bessere Nichtraucherschutz trage dazu wesentlich bei.

Strenger Nichtraucherschutz in Bayern

Das strenge Nichtraucherschutzgesetz in Bayern sei das Ergebnis eines erfolgreichen Volksbegehrens gewesen - fast 61 Prozent hatten 2010 für die Einführung einer rauchfreien Gastronomie ohne Ausnahmen gestimmt. Seitdem sei die Zustimmung weiter gestiegen. "In einer gesamtdeutschen Befragung aus dem Jahr 2014 wünschten sich bereits über 80 Prozent eine rauchfreie Gastronomie, darunter sogar fast 60 Prozent der Raucher. Die hohe Zustimmung liegt vor allem daran, dass viele der von Gastronomie- und Lobbyverbänden angekündigten Katastrophenszenarien nicht eingetreten sind. (...) Selbst bei Großveranstaltungen wie dem Münchener Oktoberfest konnte ein generelles Rauchverbot problemlos umgesetzt werden."

Das geplante generelle Rauchverbot in Österreich hätte demnach "einen großen Schritt nach vorne" bedeutet und drei Viertel der österreichischen Bevölkerung vor den Gefahren des Passivrauchens geschützt. "Gleichzeitig hätte es Raucher dazu motiviert, weniger zu rauchen oder sogar ganz damit aufzuhören. Die Folge wäre weniger Geruchsbelästigung, weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Krebserkrankungen, weniger Todesfälle und weniger Krankenversorgungskosten", schrieben die Expertinnen.

In den vorbildlichen Ländern wie Irland, Großbritannien und Spanien atmeten fast 90 Prozent der Menschen am Arbeitsplatz saubere Luft. "In Österreich gilt dies lediglich für etwas mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung, fast ein Viertel muss sogar täglich passiv mitrauchen - Grund genug, um zu handeln", meinen Ute Mons und Katrin Schaller.

(APA)

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