Nahost-Gala: Westöstliche Gala im Rathaus

(c) EPA (Andrea Merola)
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Maestro Barenboim, gekrönte Häupter und Vertreter des Geldadels unterstützen ein universitäres Nahost-Friedensprojekt. Karl Stoss, Generaldirektor der Casinos Austria AG, organisierte die Festtafel.

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, strahlt. Gerade eben sind die letzten Takte des Forellen-Quintetts von Franz Schubert im Großen Festsaal des Wiener Rathauses verklungen und Applaus brandet auf. Maestro Daniel Barenboim saß selbst am Klavier, Mitglieder seines gefeierten West-Eastern Diwan Orchestra waren an den Instrumenten: endlich perfekte Harmonie zwischen Israelis und Palästinensern.

Avi Primor hat gekrönte Häupter aus den Niederlanden und Jordanien, Politprominenz aus Deutschland und Österreich und Eliten aus Wirtschaft und Wissenschaft zu einer Nahost-Gala zusammengerufen, um für sein des trilaterales Zentrum zu werben. Dieses Zentrum ermöglicht jungen Menschen aus Palästina, Jordanien und Israel ein gemeinsames Studium.

„Im dritten Studienabschnitt kommen alle in Düsseldorf zusammen, um gemeinsam in den Seminaren zu arbeiten“, erzählt Primor. Am Anfang hatten die Lehrenden Bedenken. „Was passiert, wenn die sich zerfleischen?“ Die Realität: „Eine unglaubliche Neugierde auf die Menschen, die da hinter der Grenze leben. Die Bedenken waren grundlos.“

Bislang wurde das Projekt vor allem von Deutschland unterstützt, nun wurde auch in Wien ein sogenannter „Freundeskreis“ gegründet, der Unterstützung aus Österreich bringen soll. „In Wien gab es immer schon großes Interesse an der Region“, sagt Primor, der frühere Diplomat und unbequeme Intellektuelle. „Als der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky vom Dialog mit der PLO und der Zweistaatenlösung gesprochen hat, wurden seine Aussagen in Israel verabscheut. Heute entspricht das dem Konsens der Nahost-Politik.“

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hatte Primor bei seiner Reise nach Israel im Jahr 2007 Unterstützung zugesagt. Doch Gusenbauer sollte nicht lange im Amt bleiben. Am Ende löste der Wiener Bürgermeister, Michael Häupl, das Versprechen ein und lud mehr als 400 Gäste ins Wiener Rathaus. Karl Stoss, Generaldirektor der Casinos Austria AG, organisierte die Festtafel.

Die niederländische Königin Beatrix reiste extra nach Wien, ebenso wie ein Prinz und zwei Prinzessinnen des jordanischen Königshauses.

Der jordanische Prinz Hassan bin Talan erntete für seine Ansprache „Ein Leben in Frieden, Harmonie und Kontrapunkt“ Ovationen, schließlich hört man selten königliche Hoheiten den „Bullshit“ der internationalen Politik anprangern.

Alles sei eine Frage des Standpunkts, so Prinz Hassan: „Wenn wir vom Nahen Osten sprechen, dann verstehen Chinesen oder Japaner darunter Westasien.“ Prinz Hassan war es dann auch vorbehalten, die zahlreich anwesenden Vertreter des Geldadels – etwa Ferdinand Piëch – oder der Aristokratie – von Habsburg-Lothringen bis Czernin von Chudenitz – zu ermuntern, das Friedensprojekt des trilateralen Zentrums von Avi Primor finanziell zu unterstützen.

„Der Beitrag, den wir leisten können, ist ein Bescheidener“, gab sich Avi Primor im Gespräch mit der „Presse“ unprätentiös. „Ich sehe den Vorteil unseres Universitätsprogramms eher als Investition in die Zukunft. Wenn es einmal Frieden gibt, dann können wir auf Eliten – unsere Studenten – zurückgreifen, die gute Kontakte zur jeweils anderen Seite haben.“

Die Gemüter im Nahen Osten seien reif für eine Lösung, sagt Primor. „Was fehlt, sind Sicherheitsgarantien“, sagt er. „Der ägyptische Präsident Anwar Sadat oder der jordanische König Hussein konnte Sicherheitsgarantien bieten, aber Mahmoud Abbas kann nicht einmal für seine eigene Sicherheit sorgen.“ Die Lösung: eine internationale Friedenstruppe im Westjordanland. Primors Fazit: „Der Frieden ist machbar.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2010)


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