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Aufschlag

Kommentar: Dominic Thiem, von Selbstzweifeln zerfressen

Tennis - ATP World Tour Finals
Tennis - ATP World Tour Finals(c) Action Images via Reuters (TONY O´BRIEN)
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Dominic Thiems Errungenschaften 2017 sind unbestritten, der Leistungsabfall in den vergangenen Wochen aber wirft Fragen auf.

Dominic Thiem hat in der Saison 2017 Großes erreicht. Er ist zum zweiten Mal in Folge bei den French Open ins Halbfinale vorgestoßen, hat neben Rafael Nadal als einziger Spieler bei allen vier Grand Slams zumindest das Achtelfinale erreicht - und er ist zur Nummer vier der Weltrangliste aufgestiegen. Große Errungenschaften lassen Erwartungen zwangsläufig in die Höhe schnellen, ein oder zwei Siege bei einem x-beliebigen Turnier stimmen heimischen Tennisfans längst nicht mehr zufrieden.

Dass Thiem wie im Vorjahr auch heuer den acht besten Spielern der Saison angehörte, könnte in Zukunft zur Normalität werden. Allerdings, die bloße Teilnahme an den World Tour Finals befriedigt in diesem so schnelllebigen Geschäft weder Spieler noch Fans dauerhaft. Das Streben nach immer größeren Erfolgen mag nie ganz gesättigt sein, und Thiem verfolgt nur die allergrößten Ziele. Umso irritierender sind die etlichen Rückschläge, die der 24-Jährige im letzten Saisondrittel hinnehmen musste - für Fans, für Thiem. Seine Bilanz seit den US Open (drei Siege, sieben Niederlagen) liest sich für einen Top-10-Spieler unwürdig, genau damit hadert auch der Niederösterreicher.

Wer Probleme nicht erkennt

Thiem sprach nach dem 4:6, 1:6 gegen David Goffin erstmals offen über mentale Blockaden, welche sich nach den vielen Niederlagen und schwachen Leistungen aufgetan haben. Diese "knabbern am Selbstvertrauen, an allem." Thiem bereitete Tennis in der jüngeren Vergangenheit wenig Freude, weil Schläge, die allesamt schon funktioniert haben, nicht mehr funktionieren. Weil er gegen Gegner, die er aufgrund seiner unbestrittenen Qualitäten eigentlich besiegen sollte, verliert. Und weil er im Prinzip nicht wirklich weiß, warum, weil es im Training "viel besser" laufe.

Im Grunde sind diese Aussagen nichts anderes als ein Hilfeschrei eines Spielers, der momentan von Selbstzweifeln zerfressen ist. Sein Trainer, Günter Bresnik, würde zwar auch lieber über Siege und gelungene Schläge sprechen, will aber mit aller Konsequenz nichts von mentalen Problemen seines Schützlings wissen. Das "mentale Gequassel" ginge Bresnik auf die Nerven, beteuerte er in London. Wie aber will man ein offensichtliches Problem beheben, das man nicht als solches erkennt? 

Mails an: christoph.gastinger@diepresse.com