Gerry Adams stand 34 Jahre an der Spitze der Sinn Féin-Partei und war am nordirischen Karfreitagsabkommen maßgeblich beteiligt.
Dublin. Er gilt als einer der umstrittensten Politiker Irlands – Gerry Adams stand mehr als drei Jahrzehnte als Chef der katholischen Sinn Féin-Partei im Rampenlicht. Nach insgesamt 34 Jahren im Dienst des irischen Nationalismus nimmt der 69-Jährige im kommenden Jahr seinen Hut: Er werde nicht mehr für eine weitere Amtszeit an der Spitze der Partei kandidieren, erklärte Adams am Samstag in Dublin. „Führung bedeutet, den Zeitpunkt für einen Wechsel zu erkennen. Und dieser Zeitpunkt ist jetzt.“
1948 im nordirischen Belfast geboren, wuchs Adams in einer republikanischen Familie auf, in der Widerstand gegen Großbritannien seit Generationen praktiziert wurde. In den späten 1960er Jahren engagierte sich Adams zunächst in der nordirischen Bürgerrechtsbewegung, dann politisch in der Republikanerbewegung. Im Laufe der 1970er Jahre wurde das Mitglied der republikanischen Sinn Féin-Partei, die sich für die Wiedervereinigung Irlands einsetzte, mehrmals verhaftet. Inwieweit Adams am bewaffneten Kampf gegen Großbritannien beteiligt war, ist nicht klar: Laut Zeugenaussagen gehörte er früher zur Spitze der militanten Untergrundorganisation IRA gehört haben, was Adams selbst aber bestreitet.
1983 wurde Adams zum Parteivorsitzenden gewählt. Als Sinn Féin-Chef überlebte er 1984 einen Mordanschlag militanter Protestanten. In den 1990er Jahren setzte sich Adams für die Entwaffnung der IRA ein, 1998 war er maßgeblich am Zustandekommen des Karfreitagsabkommens beteiligt, das den Nordirlandkonflikt beendete und eine Machtteilung zwischen Katholiken und Protestanten festlegte.
Derzeit ist Sinn Féin die zweitstärkste politische Kraft in Nordirland und die Nummer drei in der Republik Irland – wo nächstes Jahr das Regierungsabkommen ausläuft. Adams' Rückzug stellt die Weichen für eine mögliche Teilnahme seiner Partei an einer Koalitionsregierung in Dublin. (red.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2017)