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TV-Kritik

"Tatort" Münster: Boerne und der Wunsch nach Unsterblichkeit

Tatort
Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) trifft auf "Gott" (Aleksandar Jovanovic)ORF

In "Gott ist auch nur ein Mensch" bekommen es die "Tatort"-Ermittler Thiel und Boerne mit einem Künstler zu tun, der sich "Gott" nennt - und mit einem Serienmörder, der einbalsamiert.

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

9 von 10 Punkten

Worum geht's in "Gott ist auch nur ein Mensch"?

In Münster geht ein Serienkiller um, der seine Opfer zu "Kunstwerken" verarbeitet, die er kurz vor der Eröffnung der interantionalen Skulptur-Tage medienwirksam an verschiedenen Orten der Stadt platziert. Das tut er nicht ohne Ironie: So wird z. B. der rassistische Taxler, der sich geweigert hatte, Ausländer zu transportieren, wie eine Mumie eingewickelt in einem Schlauchboot gefunden, ein Plakat mit einem Ghandi-Zitat in Händen.

Worum geht's noch?

Nichts anderes als der Wunsch nach Unsterblichkeit steht hier ganz oben - nicht nur bei Professor Boerne, der sich bei einem Künstler-Großmaul, das sich "Gott" nennt, als Schüler bewirbt. "Gott" selbst will durch ein künstlerisches Denkmal unsterblich werden. Ist er womöglich der Täter, der seine Opfer so geschickt einbalsamiert?

Wer ermittelt?

Axel Prahl als Hauptkommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers als selbstgerechter Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne sind ein Dream-Team des "Tatort". Während Boerne sich mit seinen Kunstambitionen (und einem Bonsai-Stammbaum mit Fotos seiner Ahnen) lächerlich macht, muss sich Thiel daran erinnern, dass er einst als Kind mit der Ausstellungs-Kuratorin Kleider tauschte und als Mädchen herum lief. Nichts gegen die Frau Staatsanwalt (die war auch in der Kommune): Die Nacktfotos sind allerdings nur verschwommen zu sehen.

Was gefällt?

Da wird der Hype um schräge Kunst und ihre Protagonisten sehr charmant auf die Schaufel genommen: Aleksandar Jovanovic glänzt als der von einer Schaffenskrise gebeutelte "Gott" und klaut Boernes nicht besonders originelle Idee für eine Skelett-Skulptur. Eine andere, ständig an ihrem Schlecker nuckelnde Künstlerin übermittelt Live-Bilder aus ihrem Uterus via Internet zu Zuschauern in Tokyo. Und die sonst so strenge Alt-Kuratorin ist von den mörderischen "Skulpturen" des Täters fasziniert.

Wo hakt's?

Dieser "Tatort" ist kurzweilig, amüsant, humorvoll. Wenn, dann hakt's hier am Ton des Professor Boerne gegenüber seiner kleinwüchsigen Assistentin (wunderbar: ChrisTine Urspruch), die er nach dem Nibelungenzwerg Alberich benannt hat. Aber auch hier gilt wohl die alte Weisheit: Was sich liebt, das neckt sich - und die Alberich pariert jede Stichelei mit Würde!

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