Unruhen in Rosarno: Haftbefehle gegen 17 Mafiosi

ITALY IMMIGANTS ROSARNO
(c) EPA (Franco Cufari)

Nach den rassistischen Unruhen in der süditalienischen Stadt gehen die Behörden gegen die 'Ndrangheta, die kalabresische Mafia, vor. Sie soll für die schlechten Lebensbedingungen der Afrikaner verantwortlich sein.

Die italienischen Justizbehörden verschärfen ihre Offensive in der kalabresischen Kleinstadt Rosarno, in der am Donnerstag rassistische Unruhen ausgebrochen waren. 17 Haftbefehle wurden gegen Mitglieder der 'Ndrangheta, dem kalabresischen Arm der Mafia, in Rosarno erlassen.

Ein Haftbefehl richtete sich auch gegen den Boss Carmelo Bellocco. Die 'Ndrangheta-Mitglieder werden beschuldigt, Unternehmer und Kaufleute der Gegend erpresst zu haben und afrikanische Einwanderer für kriminelle Aktionen zu missbrauchen. Die Polizei beschlagnahmte Immobilien und Gesellschaften der Mafia-Bosse.

Gewaltsame Zusammenstöße

NNachdem bei den Unruhen in den vergangenen Tagen 67 Personen verletzt wurden und die afrikanische Saisonarbeiter Rosarno verlassen mussten, bleibt die Lage in der Gemeinde gespannt. In der Nacht auf Dienstag wurde das Auto eines afrikanischen Migranten in Brand gesetzt. Der Ausländer lebt seit Jahren in Rosarno, wo er in der Landwirtschaft beschäftigt ist.

Nach Schüssen auf Migranten waren am Donnerstagabend mehrere hundert ausländische Erntearbeiter randalierend durch die Straßen gezogen, um gegen unmenschliche Lebensbedingungen zu protestieren. In der Folge begannen die Behörden am Sonntag, gewaltsam die Notlager der mehrheitlich illegalen Einwanderer abzureißen. Innenminister Roberto Maroni lobte das Vorgehen der Behörden als "beispielhaft". Schuld für die Unruhen seien Jahre "falscher Toleranz" gewesen. Die Opposition warf der Regierung vor, Fremdenhass zu schüren.

Anti-Rassismus-Demonstration in Rosarno

Etwa 1000 Einwohner sind in Rosarno nun am Montagabend auf die Straße gegangen. Die Bewohner der 15.000-Einwohner-Stadt protestierten gegen das rassistische Bild der Stadt, das durch die Medien entstanden sei. "Wir sind keine Rassisten. Wir sind bei der Bewältigung des Migrantenproblems vom Staat alleingelassen worden und jetzt werden wir auch noch von den Medien kriminalisiert. Dabei haben wir 20 Jahre lang mit den afrikanischen Saisonarbeitern zusammen gelebt", betonte ein Sprecher eines Bürgerkomitees in Rosarno.

Die Oppositionspartei PD (Demokratische Partei) forderte, dass allen 2500 Migranten, die nach den Unruhen aus Rosarno vertrieben wurden, eine Aufenthaltsgenehmigung gewährt werde. Der Gewerkschaftsverband CGIL warnte davor, dass sich Zusammenstöße in Italien wiederholen könnten. Vor allem in Süditalien seien die Kontrollen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit in der Landwirtschaft unzulänglich. Arbeitsminister Maurizio Sacconi versprach ausgedehnte Kontrollen gegen die Ausbeutung von illegalen Migranten als billige Arbeitskräfte.

(APA)