Afrika in der Rassismusfalle

Nach dem tödlichen Anschlag auf das Fußballteam von Togo fühlen sich wieder jene postkolonialen Besserwisser bestätigt, die schon immer der Meinung waren, dass Afrika für eine Fußball-WM nicht zivilisiert genug ist.

Jetzt melden sich wieder die zu Wort, die immer schon gewusst haben, dass Afrika kein Ort ist, an dem zivilisierte Menschen Sport betreiben sollten. Nach dem tödlichen Rebellenangriff auf den Bus der Fußballmannschaft von Togo ist plötzlich auch wieder die Debatte über die Sicherheit bei den Weltmeisterschaften in Südafrika aufgeflammt. Es klingt nach purer postkolonialer Überheblichkeit, wenn wir Europäer so tun, als ob wir in einer heilen Welt lebten und Afrika allein alles Böse gepachtet habe.

Oder dachte einer dieser Wohlstandsrassisten auch nur kurz daran, die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City abzusagen, weil ein Jahr zuvor der Anschlag auf das New Yorker World Trade Center die Welt erschüttert hatte? Kein Mensch stieß sich daran, dass zwei Jahre nach dem Olympiaterror in München 1972 in Deutschland die Fußballweltmeisterschaft stattfand.

Wenn so etwas auf dem Schwarzen Kontinent geschieht, ist das sofort eine Frage der „Kultur“. Wären einheimische Arbeiter und nicht hoch dotierte Fußballprofis überfallen worden, vermutlich hätte die „kultivierte“ Welt von alledem nie Notiz genommen. Kein „zivilisierter“ Mensch hätte sich über die Zustände in Angola empört.

Es ist gut, dass die Fußball-WM in Südafrika stattfinden wird. Womöglich lernen wir von den Afrikanern noch etwas in puncto zivilisierter Umgang mit fremden Kulturen.


gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2010)

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