Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Neue Regeln für bargeldlose Zeiten

A Masterpass QR payment system is demonstrated at the MasterCard booth during the Money 20/20 conference in Las Vegas
REUTERS
  • Drucken

Der Österreicher liebt sein Bargeld. Dennoch verbreiten sich bargeldlose Zahlungsmethoden rasant. Ein neues Gesetz soll dabei dem Konsumenten mehr Sicherheit geben.

Die Österreicher zahlen am liebsten, mit Bargeld, das zeigt eine Studie der Österreichischen Nationalbank vom März 2017. Die Bankomatkarte ist das zweit beliebteste Zahlungsmittel. Doch in letzter Zeit werden auch auf NFC-Technologie (near field communication) basierte Zahlungsoptionen immer populärer. Sie ermöglichen kontaktloses Bezahlen mit Karte oder Smartphone. Ebenso gewinnen online und mobile Bezahlungsmethoden wie elektronische Geldbörsen (Wallets), Bezahl-Apps oder Prepaid-Karten Terrain. Doch bargeldloses Zahlen birgt auch Gefahren.

Vor allem Konzerne wie Google, Apple und Samsung sind es, die innovativen Zahlungsmethoden vorantreiben. Gleichzeitig machen Markteilnehmer aus der Finanztechnologie-Branche traditionellen Banken und Kreditkartenunternehmen zunehmend mehr Konkurrenz. „Diese rasanten Veränderungen im Zahlungsangebot und bei der Zahlungsnachfrage erfordern neue rechtliche Rahmenbedingungen“, sagt Rechtsanwältin Andrea Gritsch (Wolf Theiss Rechtsanwälte). „Insbesondere bemüht sich der europäische Gesetzgeber um Rechtsvorschriften, die einen integrierten europäischen Zahlungsverkehrsraum – SEPA – verwirklichen sollen. Etwa mit der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2), die bis Jänner 2018 in nationales Recht umzusetzen ist.“

Konsument soll sicherer sein

Das soll in Österreich mit dem Zahlungsdienstegesetz 2018 geschehen. Die Begutachtungsfrist des Gesetzesentwurfs endete am 19. November. „Ziel des geplanten Gesetzes ist es, mehr Transparenz für Konsumenten zu schaffen, Innovationsreize für Unternehmen zu setzen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter zu stärken“, sagt die Bankenrechtsexpertin. Und die gesetzlich verpflichtende Marktöffnung des Bankensektors für Drittanbieter von Zahlungslösungen lasse neue Zahlungsprodukte und -dienstleistungen für den Kunden erwarten, sagt Gritsch: „So wie die Liberalisierung des Strommarktes durch freien Zugang zu den Versorgungsnetzen für den Kunden Alternativen gebracht hat.“

Die wichtigsten Änderungen der Novelle im Überblick:▷ Neue Zahlungsdienste, die bisher im aufsichtsrechtlichen Graubereich tätig waren, dürfen künftig nur mehr nach entsprechender Konzessionierung und Registrierung erbracht werden. Konkret geht es um zwei Arten von Zahlungsdiensten. „Einerseits sogenannte Zahlungsauslösedienste, die auf Antrag des Kunden einen Zahlungsauftrag auslösen, also eine Brücke zwischen dem Zahler und seiner kontoführenden Bank bilden. Sie sind eine Alternative zu kartenbasierten Zahlungen. Beispiele sind die deutsche Sofort und die österreichische EPS“, sagt Gritsch.Andererseits sind Online-Dienste gemeint, die Dienstleistungen zum Kontomanagement anbieten. Sie bereiten konsolidierte Informationen über Zahlungskonten auf stellen und sie für den Kunden bereit.▷Open Banking: Diesen Drittanbietern müssen Banken technischen Zugriff auf die Konten ihrer Kunden gewähren, damit diese ihre Dienste erbringen können. „Künftig sollen in diesem Zusammenhang technische Regulierungsstandards die sichere Kommunikation zwischen Drittanbietern und Banken gewährleisten. ▷ Die starke Zunahme von Internetzahlungen und mobilen Zahlungen macht eine Verbesserung der Sicherheit bei der Zahlungsabwicklung dringend erforderlich. „Das soll nach dem Gesetzesentwurf mittels einer 'starken Kundenauthentifizierung' passieren. Der Zahlungsdienstleister muss demnach in bestimmten Fällen eindeutig und nachweisbar feststellen, dass ein bestimmter Zahler eine bestimmte Zahlung in Auftrag gegeben hat“, sagt Gritsch. Das notwendige Prozedere klingt aufwendig: Der Zahler muss zwei von drei der folgenden Bedingungen erfüllen können. Erstens etwas vorzeigen, das nur er besitzen kann, wie etwa seine Kreditkarte. Zweitens eine auf ihn zugeschnittene Wissensfrage beantworten können wie „Nennen Sie den Namen ihrer ersten Volksschullehrerin“. Drittens einen Fingerabdruck oder sonst ein Merkmal nachweisen, das nur er hat.▷ Deutlich verbessert wird mit dem Gesetz auch die Rechtsstellung des Zahlers bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen. Bei Missbrauch soll er künftig nur haften, wenn er auch wirklich in der Lage gewesen ist, den Verlust, den Diebstahl oder sonstige illegale Verwendungen des Zahlungsinstruments tatsächlich zu bemerken. Doch selbst in diesem Fall ist seine Haftung mit 50 Euro begrenzt. Früher lag die Haftungsgrenze bei 150 Euro.


[O0CCO]