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Uber zeigt, wie man mit Kunden nicht umgeht

Travis Kalanick.
Travis Kalanick.(c) REUTERS (ROBERT GALBRAITH)
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Der ehemalige Uber-Chef hielt es nicht für notwendig, seine Kunden über eine Cyberattacke zu informieren.

Ex-Uber-Chef Travis Kalanick setzte sich in der Vergangenheit gerne und verlässlich über Regeln hinweg. Nur an eine hielt er sich eisern: „Schweigen ist Gold“ – vor allem dann, wenn man im Interesse der eigenen Kunden und Mitarbeiter eigentlich sprechen müsste.

So erfuhren 57 Millionen Fahrgäste und Fahrer erst jetzt, dass ihre Daten schon vor einem guten Jahr in falsche Hände gekommen sind. Betrüger waren durch eine schlecht geschützte Datenbank in einem Cloud-Dienst an die Daten gekommen und zogen bei dieser Gelegenheit Namen, E-Mail-Adressen, Mobiltelefonnummern der Uber-Nutzer ab. Darüber hinaus sind 600.000 Führerscheinnummern im Besitz der Hacker. Kreditkartennummern oder Infos über Fahrten sollen laut Uber nicht gestohlen worden sein.

Kalanick blieb, als er von dem Cyberangriff erfuhr, seinem Grundsatz treu – das heißt, nicht ganz. Behörden und die betroffenen Personen informierte er nicht von der Straftat. Vielmehr zog er es vor, mit den Hackern zu kommunizieren. Die ließen ihn – auf welche Weise auch immer – wissen, dass er 100.000 Dollar lockermachen solle. Dann wären sie bereit, die abgezogenen Daten zu vernichten. So geschah es auch, Uber überwies den gewünschten Betrag an die Hacker.

Uber-Kunden sind über die lange Vertuschung entsetzt und fragen sich gleichzeitig, weshalb die schlechten Neuigkeiten trotzdem erst jetzt bekannt gemacht wurden. Denn der langjährige Uber-Boss Kalanick ist bereits seit Sommer 2017 Geschichte. Stakeholder legten ihm damals unmissverständlich nahe, dass er seinen Platz zu räumen habe. Seitdem ist Dara Khosrowshahi der Mann an der Spitze. Wieso schwieg er so lange? Seine Antwort klingt erschreckend banal: Auch er habe erst vor Kurzem von dem Vorfall erfahren, erklärte er der Öffentlichkeit. „Nichts davon hätte passieren dürfen, wir werden nach keinen Ausreden suchen. Ich kann die Vergangenheit nicht ausradieren, aber im Namen aller Uber-Mitarbeiter versprechen, dass wir aus unseren Fehlern lernen werden“, so Khosrowshahi reumütig. Uber werde die Art, wie es seine Geschäfte führe, ändern.

Das wird auch notwendig sein, wenn Uber irgendetwas an seinem angepatzten Image ändern will. Der Skandal ist mit dem öffentlichen Eingeständnis längst nicht ausgestanden. Dass die Betrüger bei ihrem Angriff die Namen und die Führerscheinnummern ergattert haben, könnte für das Unternehmen noch teuer kommen. In den USA werden Führerscheine oft als Ausweisdokumente verwendet. Das macht die Daten für die Kriminellen besonders wertvoll.

E-Mails an: judith.hecht@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2017)