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TV-Kritik

"Tatort" Hamburg: „Öko-Nazis“ und Prügelkinder

Tatort
In „Tatort: Böser Boden“ muss Kommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz) eine Versammlung der Bewohner auflösen.ORF
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In „Böser Boden“ ermitteln die „Tatort“-Kommissare Falke und Grosz im Fracking- und im Umweltschützer-Milieu. Hier weiß man nicht, wer davon furchterregender ist.

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

8 von 10 Punkten

Worum geht's in "Böser Boden"?

Ein Mitarbeiter einer Fracking-Firma wird tot aufgefunden. Offenbar hat ihn jemand aus seinem LKW gezerrt, ihn brutal verprügelt und dann erstickt. Mögliche Täter gibt es viele: Arash Naderi war erst kürzlich aus dem Iran eingewandert, könnte also einer rechten Gruppe, politischen Gegnern, aber auch Umweltschützern ein Dorn im Auge gewesen sein. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissare Falke und Grosz jedoch auf Merkwürdiges: Fast alle Bewohner des Ortes scheinen krank zu sein, auch manche Kinder sind merkwürdig aggressiv...

Worum geht's noch?

Hier ist ein Ort in Aufruhr: Die Menschen sind in Sorge und organisieren sich in einem zunehmend militanter werdenden Widerstand gegen das Fracking und die Erdgasförderung. Naderis Bruder nennt sie abfällig „Öko-Nazis“, denn er und seine Familie haben Angst vor den feindseligen Einheimischen. Dabei weiß man nicht, wer furchteinflössender ist: Die aalglatte Chefin der Fracking-Firma, das Ausmaß der Umweltzerstörung oder die Naturschützer, die wie ein Schlägertrupp agieren.

Tatort: Böser Boden
Kommissarin Julia Grosz neben Thorsten Falke.(c) NDR/Christine Schroeder

Wer ermittelt?

Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ist diesmal gar nicht bei der Sache und was das unheimliche Leiden der Naturschützer anlangt seltsam ungerührt: „Wenn man sein ganzes Leben lang Hirse frisst, dann sieht man halt so aus.“ Das ist nicht gerade professionell, zumal auch, weil es eigentlich um Privates geht: Zoff mit dem Sohnemann, der Falke in einer Schlüsselszene der Aufmüpfigkeit sogar verprügelt. Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) ist ziemlich genervt von Falkes mentaler Abwesenheit und stellt ihm ein Ultimatum: Wenn er sie noch einmal im Stich lässt, um seinen Sohn in der Disco zu suchen, kündigt sie ihm die Zusammenarbeit auf! Es dauert ein bisschen, bis das wirkt.

Was gefällt?

Fracking und seine Gefahren - das ist selbst im „Tatort“, der oft auf aktuelle Themen eingeht, etwas Neues. Trotz der tristen Lage lässt Regisseurin Sabine Bernardi Kommissar Falke stets im cool wummernden Auto durch die Gegend düsen. Und in der Club-Szene machen die Indie-Rocker von AnnenMayKantereit das Stillsitzen am Fernsehsofa ziemlich schwer.

Wo hakt's?

An sich ist das ein solider „Tatort“ mit einer stringenten Story, der aufgrund des Umweltthemas auch atmosphärisch etwas hergibt. Und dann? Dann machen die bewusstseinsgetrübten Bewohner plötzlich einen auf „The Walking Dead“ und gehen mit starrem Blick auf jemanden los. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, aber das ist ein absurder Regiegag und völlig deplatziert.

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