Stephansdom: Orgel sucht Schutzpatrone

Großspender können sogar einzelne Pfeifen der Riesenorgel erwerben.
Großspender können sogar einzelne Pfeifen der Riesenorgel erwerben.(c) Clemens Fabry

Österreichs größtes Instrument soll wieder erklingen. Nun werden Spender für die Restaurierung der Riesenorgel gesucht.

Wien. Zeugen sagten später, es sei berührend und erschütternd gewesen: Als der (von Plünderern ausgelöste) Dachstuhlbrand zu Ende des Zweiten Weltkriegs am 12. April 1945 die große Orgel des Stephansdoms erreichte, da sollen plötzlich die Orgelpfeifen zu hören gewesen sein. Wie auch die zerschellte Pummerin sei „das Klagen der verbrennenden Orgel ein Symbol des sinnlosen Krieges“ gewesen, erinnert Kardinal Christoph Schönborn.

In den Jahren danach wurde die Renovierung des Doms zum Symbol des Wiederaufbaus. Und wenn die Orgel zu Ostern 2020 neu erklingt, dann werden Brand und Kriegsende 75 Jahre her sein – und die letzte Wunde am Dom geschlossen. Freilich, genau genommen hatte man die Orgel schon bald nach dem Krieg wieder gebaut, allerdings schnell, mit minderwertigen Versatzstücken. So galt die sogenannte Riesenorgel von Anfang an als Problemfall. Seit 1991 wurde sie nicht mehr gespielt.

 

Bilder der „Schutzheiligen“

Nun wird das Instrument um drei Millionen Euro restauriert („Die Presse“ berichtete). Ein Drittel zahlt der Bund, ein Drittel übernehmen die Länder, die sich auch an der Renovierung des Doms beteiligt haben. Ein letztes Drittel – rund eine Million Euro – muss durch private Spenden aufgebracht werden. Weshalb sich am Donnerstag, während draußen vor der Kirche Orgelpfeifen auf Lkw geladen wurden, in der Bartholomäuskapelle rund um Schönborn und Dompfarrer Toni Faber die Drahtzieher einer neuen Spendenkampagne versammelten.

„Werde zum Schutzpatron der Riesenorgel“ lautet der Titel des Spendenaufrufs von Domkapitel und dem Verein Unser Stephansdom – Spender sollen dabei, so Agenturchef Mariusz Jan Demner, „auf sehr persönliche Weise“ eingebunden werden: Durch Hochladen eines Porträtfotos auf www.riesenorgel.at kann man Bilder von Schutzheiligen mit dem eigenen Gesicht versehen. Das kann wiederum ausgedruckt oder via Social Media geteilt werden. Alle Patrone werden in einem „Goldenen Buch“ geführt, das 2020 in die Orgel eingebaut wird. Die Kampagne wurde von Demner, Merlicek & Bergmann ehrenamtlich entwickelt, Networking und Fundraising übernehmen Rosam Grünberger.

Benannt ist die Riesenorgel übrigens nach dem Hauptportal, dem „Riesentor“; mit 125 Registern und 10.000 Pfeifen ist sie aber tatsächlich riesig. Renoviert wird Österreichs größtes Musikinstrument von der Vorarlberger Firma Rieger – die die Orgel vor dem Abbau in einer Nacht- und Nebelaktion noch einmal gespielt hat: Mit vielen Feuerlöschern aufgrund der desolaten Elektrik. Am Ostersonntag 2020, genau am 75. Jahrestag des Brands, soll die Orgel wieder erklingen – und dem akustisch schwierigen Dom einen ganz neuen Klang verleihen. (tes)