Kampf gegen die Klischees

Mitarbeiter der „Spürnasenecke“ präsentierten am New-Skills-Fachkongress Experimente für Kindergarten und Schule.
Mitarbeiter der „Spürnasenecke“ präsentierten am New-Skills-Fachkongress Experimente für Kindergarten und Schule.OeAD GmbH/APA-Fotoservice/Hörma
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Der Mangel an Mint-Fachkräften und der geringe Frauenanteil waren wieder einmal Gegenstand einer Fachtagung. Es gibt aber auch Bereiche mit Männermangel.

Dass Absolventen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (Mint) gefragt sind, ist bekannt. Ebenso, dass das Interesse insbesondere der Schülerinnen und Studentinnen nicht mit der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt Schritt hält. So liegt der durchschnittliche Anteil an Studentinnen in technischen Studienrichtungen laut Eurostat in Österreich lediglich bei etwa 13 Prozent, EU-weit bei 17 Prozent. Mögliche Ansätze zur Behebung dieser Schieflage und zur besseren Motivation für Mint-Ausbildungen allgemein waren Anfang vergangener Woche Thema einer von der OeAD-GmbH und der WKÖ organisierten „New Skills“-Fachtagung, zu der Experten aus Bildung, Politik und Wirtschaft geladen waren.
„Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Personalsituation sind immer deutlicher spürbar. Hochqualifizierte im Mint-Bereich, besonders in der IT, sind stark gefragt. Frühe Förderung der Begeisterung für Mint-Fächer, die Verankerung interdisziplinärer und digitaler Kompetenzen in allen Ausbildungen sowie die Stärkung der HTLs sind wichtige Hebel für die Zukunftssicherung des Landes“, sagte Klaus Peter Fouquet, Vorstand der Robert Bosch AG und Präsident der Plattform Wissensfabrik Österreich.

Differenziertes Bild

Betrachtet man nur den Arbeitsmarkt, so zeigt sich, dass der Fachkräftemangel nicht alle Mint-Fächer gleichermaßen betrifft. Laut einer vom BMWFW beauftragten IHS-Studie sind vor allem Informatiker und Absolventen der Ingenieurwissenschaften gefragt. Für Bio- und Naturwissenschaften sowie Architekten sind die Jobaussichten vergleichsweise schlechter. Daher wird empfohlen, Bemühungen zur Erhöhung der Abschlusszahlen auf Ingenieurwissenschaften und Informatik zu fokussieren.
Im Bildungsbereich gibt es bereits eine Reihe an einschlägigen Projekten und Initiativen. Auf der Fachtagung vorgestellt wurde unter anderem das Erasmus-plus-Projekt European Apprenticeship Talent Programme, das in Zusammenarbeit mit AVL List und der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft die Internationalisierung und High-Potential-Förderung in der Lehrlingsausbildung im Mint-Bereich vorantreibt; oder das Projekt „Spürnasenecke“, das Experimente für Kindergärten und Schulen entwickelt.
Präsentiert wurden außerdem die jeweiligen Strategien der zuständigen Ministerien BMB und BMWFW. Laut Christian Schrack vom Bildungsministerium sei die Oberstufe im Hinblick auf Mint und Industrie 4.0 bereits gut aufgestellt. Unter Berufsbildung 4.0 würden etwa erstmals Lernenden unterschiedlicher berufsbildender Schulen mit Leitbetrieben der Region interdisziplinär zusammenarbeiten.
Einig sind die Experten darin, dass das Interesse am Mint-Bereich schon vor Lehre oder Studium, nämlich bereits im Kindergarten, geweckt werden sollte und später Talente gezielt gefördert werden sollten. OeAD-Geschäftsführer Stefan Zotti: „Wir müssen früh ansetzen und Kinder und Jugend für Technik begeistern. Erasmus plus und Public-Science-Projekte regen junge Menschen an, ein realistisches Bild zu entwickeln, und zeigen Chancen in diesem Feld auf.“

Einzelne Erfolge sichtbar

Dass die diversen Anstrengungen langsam Früchte tragen, zeigt etwa eine aktuelle Meldung der WU Wien. Dort verzeichnet man in zwei traditionell männerdominierten Studien, Wirtschaftsinformatik und Supply Chain Management, heuer erstmals mehr weibliche als männliche Erstinskribierte, bei Supply Chain Management liegt der Frauenanteil sogar über 60 Prozent. Auch der Frauenanteil von 22 Prozent in den technisch orientierten FH-Fächern darf als Erfolg gewertet werden – er hat sich in den vergangenen Jahren immerhin um etwa fünf Prozent gesteigert.
Weniger thematisiert, aber genauso ausgeprägt wie bei Mint-Fächern, ist das Geschlechterungleichgewicht im pädagogischen Bereich sowie in den Sozial- und Pflegeberufen. Hier sind es die Buben und jungen Männer, die offensichtlich schwer zu motivieren sind, in die vermeintlichen Frauendomänen einzusteigen. So beträgt der Männeranteil unter den Volksschullehrern laut AMS-Daten acht Prozent. In Kindergärten sind gar nur 1,4, in Alten- und Pflegeheimen 13 Prozent der Beschäftigten Männer.

Mehr Männer in Frauenberufe

Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde unter anderem der Boy's Day ins Leben gerufen, der heuer zum zehnten Mal stattfand. Anfang November brachten auf Initiative des Sozialministeriums über 360 soziale Einrichtungen den jungen Teilnehmern in Workshops, Führungen und Gesprächen mit männlichen Role Models die Tätigkeitsbereiche von pädagogischen und pflegerischen Berufen näher.
Gemeinsam ist den Mint-Disziplinen und dem pädagogischen sowie dem pflegerischen Bereich, dass überall Personalknappheit herrscht. Während aber Mint-Fächer überdurchschnittliche Gehälter versprechen, kann man dies vom (elementar-)pädagogischen oder dem Pflegebereich nicht behaupten.


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