Staatsbürgerschaft als "part of the game": Laut einem Gesprächsmitschnitt soll der FPK-Chef einem Investor für eine Parteispende die Staatsbürgerschaft versprochen haben. Scheuch kann sich "nicht erinnern".
Wien/Klagenfurt (maf). Wenige Tage vor dem Parteitag der Freiheitlichen in Kärnten (FPK) verschärft das Bundes-BZÖ seine Vorwürfe: Der Parteitag, der die Ablösung der Kärntner Landesorganisation vom BZÖ beschließen soll, sei undemokratisch organisiert: BZÖ-Chef Josef Bucher nannte konkrete Beispiele von Delegierten, die ausgeladen worden seien, weil sie mit dem Kurs von Landeschef Scheuch nicht einverstanden seien. Scheuch dementierte: Ein Notar überwache die Einladungen für den Parteitag.
Wohl nicht zufällig so knapp vor der entscheidenden Versammlung erschien nun ein Bericht der Illustrierten „News“, der Scheuch in ein schiefes Licht bringt: Der Landesparteichef und stellvertretende Landeshauptmann habe demnach für die Verleihung einer Staatsbürgerschaft an einen Investor eine Parteispende verlangt.
Brisantes Audio-Material
In dem Gespräch, von dem ein Tonbandmitschnitt existiert, will ein Politikberater die „Rahmenbedingungen“ für eine Investition abklären. Der russische Investor wolle die österreichische Staatsbürgerschaft haben. Scheuch sagt, die Staatsbürgerschaft sei „no na part of the game“. Und äußert auch gleich seine Wünsche: „Ich tät mir halt wünschen, dass auch ein bisschen was für die positive Zukunft des BZÖ überbleibt.“ Es solle eine Parteispende geben, „irgendwo in der Größenordnung zwischen fünf und zehn Prozent, würde ich amol sagen“. Auch über den möglichen Zahlungsfluss äußert sich Scheuch in dem Tonbandmitschnitt: „Wobei über die Modalität, die Art und Weise, muss man sich dann halt unterhalten. Ob es über eine Agentur läuft, das fände ich ganz gut, man muss nur irgendwie zuwikumman.“
Scheuch kann sich nicht erinnern
Im Büro Scheuch konnte man der „Presse“ nicht sagen, wann und mit wem dieses Gespräch stattgefunden hat. Dementiert wurde das Gespräch aber auch nicht. Scheuch selbst erklärte Mittwochabend in der ZiB2, er könne sich nicht an das Gespräch erinnern. Er sei sich keiner Schuld bewusst und ließ auch Zweifel an der Echtheit den mitgeschnittenen Aussagen aufkommen. Es handle sich um eine „Schmutzkübelkampagne“. Gleichzeitig sagte er, dass man einem Investor, der viele Arbeitsplätze in Österreich schafft, durchaus aus Dank die Staatsbürgerschaft verleihen könne.
Die SPÖ bezeichnete Scheuch als rücktrittsreif, sollten die Vorwürfe stimmen. Die Grünen wollen eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft wegen verbotener Geschenkannahme und Amtsmissbrauchs einbringen. Der Koalitionspartner ÖVP fordert rasche Aufklärung.
Auf einen Blick
■ Konflikt vor dem Parteitag.
Am Samstag, dem 16. Jänner, entscheiden die Delegierten der Freiheitlichen in Kärnten, ob sich ihre Landesgruppe vom BZÖ abkoppelt und der FPÖ anschließt. Das BZÖ wirft den Kärntnern undemokratische Methoden vor, Landeschef Scheuch dementiert. Scheuch ist mittlerweile auch in eine Parteispendenaffäre verstrickt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14. Jänner 2010)