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Höhenflug immer rasanter: Bitcoin kostet bereits mehr als 11.000 Dollar

Bitcoin knackt die 10.000-Dollar-Marke.
Bitcoin knackt die 10.000-Dollar-Marke.(c) AFP (Justin Tallis)
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Der Preis für das von Computern geschaffene Geld Bitcoin hat sich seit Jahresbeginn verzehnfacht. Am Mittwoch wurden die Marken von 10.000 Dollar und 11.000 Dollar geknackt.

Die virtuelle Währung Bitcoin macht manchen Anleger in der realen Welt zum Millionär: Die Cyber-Devise stieg am Mittwoch um mehr als 10  Prozent und kostete um 14.56 Uhr erstmals mehr als 11.000 Dollar. Kurze Zeit später waren bereits 11.190 Dollar erreicht.  Damit summiert sich das Plus seit Jahresbeginn auf etwa 1000 Prozent - keine Anlageklasse hat in den vergangenen Monaten auch nur annähernd so stark zugelegt.

"Das ist die Fortsetzung eines langanhaltenden Trends", sagte Thomas Glucksmann, Marketing-Chef der Börse Gatecoin. Die aktuelle Rally werde vom wachsenden Interesse spekulativ orientierter Anleger lediglich verstärkt. Außerdem interessierten sich immer mehr institutionelle Investoren für die Krypto-Währung. Die Analysten der Metzler Bank erinnerte der Bitcoin-Boom an die Tulpenmanie von 1637. Sie gilt als weltweit erste Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte. "Denn der 'wahre' Wert dieser digitalen Währung ist schwer bis gar nicht zu beziffern." Ähnlich äußerten sich ihre Kollegen von der Bank Julius Bär. "Die Motivation der Anleger ist Spielerei, ähnlich wie ein Casino-Besuch."

Hinter Bitcoin stehen weder Regierungen noch Zentralbanken. Über den Preis entscheiden allein Angebot und Nachfrage. "Die Leute kaufen sich in eine Idee davon ein, wie diese Technologie in der Zukunft genutzt werden könnte", sagte Gatecoin-Experte Glucksmann. Bitcoin basiert auf der sogenannten Blockchain-Technologie, bei der Informationen fälschungssicher in einer Datenbank gespeichert werden. Experten zufolge könnten Blockchains zahlreiche Branchen revolutionieren. Neben der Überweisung von Geld ohne den Umweg über eine Bank könnten bei Immobiliengeschäften Notare überflüssig werden. Massentaugliche Produkte sind allerdings noch Mangelware.

 

Erst der Anfang oder Anfang vom Ende?

Der Aufstieg werde Bitcoin neue Käufergruppen erschließen, die auf den Express aufspringen wollten, betonte Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers DailyFX. "Die Gefahr, dass der Bitcoin-Zug allerdings abrupt zum Stehen kommen könnte, ist nicht ausgeschlossen. Eine Ablehnung des geplanten Bitcoin-Futures durch die US-Börse CME käme einem Griff an den 'Notbremshebel' gleich." Mit Terminkontrakten können Investoren auf steigende oder fallende Kurse wetten. Die weltgrößte Futures-Börse hofft auf eine Genehmigung der US-Aufsicht noch vor dem Jahresende. Im Frühjahr hatte sie allerdings einem börsennotierten Bitcoin-Fonds (ETF) eine Absage erteilt.

Die Kursexplosion bei Bitcoin und anderen Cyber-Währungen schürt Sorgen vor einem weltweiten Börsencrash oder gar einer Finanzkrise 2.0. Allerdings gebe es in Deutschland keinerlei Anzeichen, dass die Spekulation mit Krypto-Währungen kreditfinanziert sei, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Erst wenn dies der Fall wäre, könnte das unter Umständen Folgen für die Finanzstabilität nach sich ziehen.

Philipp Sandner, Bitcoin-Experte und Professor am Frankfurt School Blockchain Center, verwies bei einem Fachkonferenz vergangene Woche auf einen weiteren Aspekt: "Das Gesamtvolumen der Dotcom-Blase war 20 bis 30 Mal höher als die aktuelle Blase bei Krypto-Währungen." Dem Branchendienst CoinMarketCap zufolge liegt der Börsenwert aller rund 1300 virtuellen Währungen bei etwa 331 Milliarden Dollar. Die Marktkapitalisierung des Elektronik-Konzerns Apple ist fast drei Mal so hoch.

Abgekoppelt von der Kursentwicklung ist die Zukunft von Bitcoin alles andere als klar. "Ein Finanzinstrument gefangen zwischen harscher Kritik und nicht enden wollender Euphorie", resümierten die Metzler-Analysten. Einige Experten sehen die digitale Währung schon als anerkannte eigenständige Anlageklasse, die langfristig der "Antikrisen-Währung" Gold den Rang streitig machen könnte. Auch sei ein Kurs von 50.000 Dollar durchaus möglich. Dagegen warnt die Deutsche Bank wegen der großen Kursausschläge Anleger davor, Geld in Bitcoin zu stecken. Tagesveränderungen von über zehn Prozent am Tag sind keine Seltenheit. So brach der Kurs Anfang November nach mahnenden Worten der chinesischen Notenbank binnen weniger Tage um rund 30 Prozent ein.

Zuvor hatte die Regierung in Peking bereits ihre Gangart gegenüber Börsen für Krypto-Währungen verschärft. Bitcoin & Co sind ihr ein Dorn im Auge, weil Beträge in sekundenschnelle weltweit transferiert und damit Kapitalkontrollen ausgehebelt werden können. Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan, bezeichnete das digitale Geld im September sogar als "Betrug". Außerdem sei die Version der Blockchain-Technologie, auf der Bitcoin basiert, veraltet, so Sol Lederer, Manager des auf Blockchain spezialisierten Softwarehauses Loomia. Der Konkurrenzdruck neuerer, ausgefeilterer Blockchains wachse. "Aber selbst wenn es zu einem Crash kommt, ist es offensichtlich, dass Bitcoin gekommen ist, um zu bleiben."

Die älteste und wichtigste Cyber-Devise wurde von einer Person oder Gruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto entwickelt und 2009 vorgestellt. Unter dem Eindruck der Finanzkrise von 2008 sollte eine weltweit jederzeit verfügbare unabhängige Währung geschaffen werden. Bevor die Daten einer Transaktion in die Blockchain geschrieben werden, müssen sie aufwendig verschlüsselt werden. Nutzer, die Rechenpower für diese Aufgabe zur Verfügung stellen, werden in Bitcoin entlohnt. Fachleute sprechen von "Mining" oder "Schürfen". Da das digitale Geld anonym transferiert werden kann, gerät es immer wieder im Zusammenhang mit illegalen Drogen- oder Waffengeschäften in die Schlagzeilen.

 

Bitcoin - Währung aus dem Internet

Die Krypto-Währung Bitcoin war lange nur eingefleischten Computerfreaks ein Begriff, nun rückt sie durch ihren schwindelerregenden Kursanstieg und ihre extremen Preisschwankungen immer öfter ins Rampenlicht.

 

WER HAT BITCOIN ERFUNDEN?

Bitcoin wurde 2008 von einer Person oder Gruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto entwickelt und Anfang 2009 erstmals öffentlich in einem akademischen Aufsatz erwähnt. Der Australier Craig Wright gab sich 2016 als der Erfinder aus, allerdings wurde dies bislang nie zweifelsfrei bestätigt.

 

WIE ENTSTEHEN BITCOIN?

Neue Bitcoin werden durch sogenanntes "Mining" erzeugt. Alle Transaktionen mit der Cyber-Währung werden verschlüsselt und in eine Datenbank, die sogenannte Blockchain, geschrieben. Hierfür müssen hochkomplexe mathematische Formeln berechnet werden. Nutzer, die ihre Rechner hierfür zur Verfügung stellen, werden mit Bitcoin entlohnt. Ungefähr alle zehn Minuten werden den Minern 12,5 Bitocin zugeteilt. Die zugeteilte Menge halbiert sich alle vier Jahre, bis die maximale Menge von 21 Millionen Stück erreicht ist. Damit wollten der oder die Erfinder eine Inflation verhindern. Aktuell sind etwa 17 Millionen Bitcoin im Wert von derzeit rund 182 Milliarden Dollar sind bereits entstanden. Je mehr Bitcoin im Umlauf sind, desto aufwendiger wird der Prozess des Minings, das auf Deutsch "Schürfen" genannt wird.

Anfangs reichte ein handelsüblicher PC aus, mittlerweile ist der Prozess so umfangreich, dass nur noch Hochleistungsrechner dazu in der Lage sind. Diese stehen meistens in Rechenzentren in Island, Norwegen oder China, weil das Berechnen viel Strom frisst und dieser dort vergleichweise günstig zu haben ist.

 

WER KONTROLLIERT BITCOIN?

Hinter Bitcoin stehen keine übergeordneten Instanzen wie Regierungen, Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken. Sie werden von allen Nutzern kontrolliert und geschaffen. Den Wechselkurs bestimmen allein Angebot und Nachfrage. Viele Zentralbanken arbeiten daran, eine passende Regulierung für Kryptowährungen zu finden, von denen jeden Tag neue entstehen.

Für Schlagzeilen sorgte vor ein paar Jahren die japanische Bitcoin-Börse Mt.Gox. Weil ihr bei einem Hackerangriff Bitcoin im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar gestohlen wurden, schlitterte sie 2014 in die Pleite.

 

WELCHE DIGITALEN WÄHRUNGEN GIBT ES NOCH?

Der Website Coinmarketcap.com zufolge gibt es inzwischen mehr als 1300 Krypto-Währungen mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 331 Milliarden Dollar. Bitcoin ist mit Abstand die größte und bekannteste. Auf Platz zwei steht Ethereum mit einem Börsenwert von 46 Milliarden Dollar, danach folgt Bitcoin Cash mit knapp 27 Milliarden Dollar. Bitcoin wird oft als Einstieg in andere Cyberwährungen benutzt. Das bedeutet, wer etwa Ethereum oder Ripple kaufen will, muss zuerst Bitcoin erwerben und diese in die gewünschte Währung tauschen.

 

WIE KANN MAN BITCOIN ERWERBEN?

Bitcoin werden an speziellen Online-Börsen wie BitStamp, BitPoint oder ItBit gehandelt. Die Kurse auf den verschiedenen Handelsplattformen weichen teilweise stark voneinander ab. Investoren können über Smartphone-Apps ein Depot eröffnen, Bitcoin kaufen und damit im Internet bezahlen. Weltweit gibt es rund 1900 Geldautomaten, an denen Anleger ihre Bitcoin in bar "abheben" können. In Europa bieten das unter anderem Länder wie die Schweiz, Österreich, Niederlande, Spanien und Italien an. In Deutschland gibt es keinen einzigen Bitcoin-Geldautomaten.

 

WIE HAT SICH DER KURS ENTWICKELT?

An der Börse BitStamp setzte der Bitcoin-Hype Anfang 2013 ein. Damals stieg der Kurs binnen zwölf Monaten von etwa 20 auf zeitweise mehr als 1200 Dollar. Bis Mitte 2015 ging er dann wieder auf etwa 200 Dollar zurück. Seither geht es fast ununterbrochen aufwärts. Auf der Handelsplattform BitPont knackte die Cyber-Währung sogar die 11.000er Marke. Analysten warnen vor den starken Schwankungen, ein Auf und Ab im zweistelligen Prozentbereich an nur einem Tag ist nicht ungewöhnlich.

 

IST BITCOIN LEGAL?

Ja. Jeder darf Bitcoin kaufen und damit bezahlen. Sie sind im größten Teil der Welt aber kein gesetzliches Zahlungsmittel. Das bedeutet, dass es Firmen und Organisationen freigestellt ist, die Währung zu akzeptieren. Japan hat die Cyber-Währung als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt.

(APA/dpa-AFX/Reuters)