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Die Schattenwelt des heimischen Skisports

Das Idyll ist trügerisch und täuscht. Es laufen Ermittlungen wegen sexueller Gewalt und Übergriffen statt Spaß am Sessellift und Pisten.
Das Idyll ist trügerisch und täuscht. Es laufen Ermittlungen wegen sexueller Gewalt und Übergriffen statt Spaß am Sessellift und Pisten.APA/BARBARA GINDL
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Drei Betroffene meldeten sich bei der Tiroler Opfer-Hotline, berichteten über Vorfälle in der Skihauptschule Neustift und dem Skigymnasium Stams. Jetzt ermitteln Bildungslandesrätin, Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt.

Innsbruck. Die von Nicola Werdenigg ins Rollen gebrachte Missbrauchsdebatte im Skisport ist seit Dienstag um ein Kapitel schwerer. Bis Dienstagmittag gingen drei Meldungen bei der eingerichteten Erstanlaufstelle des Landes ein. Alle Anschuldigungen würden 20 bis 45 Jahre zurückliegen, Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) kündigte eine Untersuchung an. Ersten Aussagen zufolge sollen die Vorwürfe auf die ehemalige Skihauptschule Neustift und besagte Aufnahmerituale im Skigymnasium Stams zutreffen.

Den Betroffenen, die teilweise anonym bleiben wollen, gehe es darum, dass Derartiges in Zukunft nicht mehr passiere. Allfällige strafrechtliche Verdachtsfälle werden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Das Landeskriminalamt ermittelt bereits in der von Werdenigg genannten Causa aus dem Jahr 2005. Sie sicherte den Behörden ihre Kooperation zu, nicht aber dem ÖSV und lehnte Gespräche mit Peter Schröcksnadel ab.

 

Die Rolle des Heimleiters?

Palfrader will eine Untersuchung durch die dienst- und disziplinarrechtlich zuständige Bildungsabteilung und den Landesschulrat beauftragen. „Mir ist es wichtig, dass alles getan wird, um so rasch wie möglich eine lückenlose Aufklärung herbeizuführen.“

Etwaige dienstrechtliche und disziplinarrechtliche Verfehlungen werden geprüft. Der Tiroler Skiverband (TSV) hat dazu bereits Sitzungsprotokolle aus den 1970er-Jahren in Neustift durchsucht. Dabei wurde festgestellt, dass im September 1976 nach einem neuen Heimleiter gesucht werden musste, bestätigte TSV-Vizepräsident Peter Mall einen Bericht der „Tiroler Tageszeitung“.

Konkrete Verdachtsfälle könne man aus den Protokollen aber nicht ableiten, vieles wäre folglich Interpretation. „Und es steht auch nicht drinnen, dass die Verantwortlichen damals von etwaigen Übergriffen gewusst hätten.“ Recherchen des „Standard“, wonach schon damals höchste Verbandskreise über die Vorgänge informiert gewesen wären, wollte Mall nicht bestätigen. Viele der damals handelnden Personen seien allerdings mittlerweile verstorben.

Im TSV werde man sich in einer Präsidiumssitzung näher mit dem Thema beschäftigen, kündigte Mall an. Man strebe nach „voller Transparenz“, Mall sah aber den TSV trotzdem nicht in der Verantwortung. Man wolle den Skisport propagieren, es sei nicht die Aufgabe des TSV Geschehnisse vor über 40 Jahren aufzuklären. Das obliege in einem Rechtsstaat – wie in der Causa 2005 – den Behörden.

Ob der ÖSV von den Vorfällen in Neustift etwas wusste, wollte Präsident Peter Schröcksnadel im „ZiB-2“-Interview am Montag nicht beantworten. „Das kann ich nicht sagen. Der ÖSV hat keinen Zugriff auf die Landesverbände. Wir haben einen Beschluss gefasst, dass wir sie auffordern, in dieser Richtung tätig zu werden.“ (red)

Opferschutz-Hotline

Für ehemalige Internatsschüler der Skihauptschule Neustift sowie des Skigymnasiums Stams, Montag bis Freitag, 9 –11.30 Uhr: 0512/508 3795.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2017)