Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Was ein russischer Katastrophenreaktor mit der Giftwolke zu tun haben könnte

Satellitenaufnahmen der russischen Atomanlage Majak.Twitter
  • Drucken

Auf Satellitenbildern entdeckt ein britischer Forscher Veränderungen bei der Atomanlage Majak im Südural. Sie könnte Ursprung für eine erhöhte Konzentration des radioaktiven Ruthenium-106 über Europa sein.

Woher kommt die Wolke radioaktiven Rutheniums-106, die sich vor ein paar Wochen über Europa - bis nach Österreich - verbreitete? Ein Postdoktorand des Physikinstituts der Universität in Oxford glaubt die Antwort gefunden zu haben. Eigentlich beschäftigt sich Simon Proud mit Sturmwolken, doch zuletzt machte er eine interessante Entdeckung in Russland. Genauer gesagt bei der Atomanlage Majak im südlichen Ural. Dort hatte sich im September 1957 einer der schlimmsten Atomunfälle der Geschichte ereignet.

Der Physiker verglich Aufnahmen des europäischen Satelliten "Sentinel 2": Wo im August noch klar ein Dach über der Atomanlage zu erkennen war, war im Oktober ein großer schwarzer Fleck zu sehen. Um sicher zu gehen, dass es sich nicht um einen Schatten handle, verglich der Forscher Satellitenaufnahmen, die unter unterschiedlichen Bedingungen und Sonnenständen entstanden waren. Auch auf Vergleichsaufnahmen vom Vorjahr war der schwarze Fleck nicht zu sehen, schreibt er auf der Kurznachrichtenplattform "Twitter".

Bauarbeiten oder Renovierungsmaßnahmen könnten die Ursache dafür sein, sagt Proud dem "Spiegel". Es sei allerdings eine "interessante Übereinstimmung", dass seine Beobachtungen zeitlich zu den Messungen der radioaktiven Wolke in Europa passten. "Es ist unmöglich, mithilfe der Satellitenbilder sicher zu sagen, dass beide Ereignisse zusammenhängen", sagt er. "Aber es ist ein guter Startpunkt für weitere Untersuchungen."

Russland weist Vorwürfe zurück

Seine Beobachtungen decken sich mit einer Meldung des russischen Wetterdienstes Rosgidromet. Dieser berichtete vergangene Woche, dass Ende September in Teilen Russlands eine "äußerst hohe" Konzentration von Ruthenium-106 festgestellt worden sei. Später habe sich die radioaktive Wolke in den Süden Russlands und ab Ende September nach Italien und in nördlichere europäische Länder ausgebreitet. Die höchste Konzentration - das 986-fache des erlaubten Wertes - sei aber Ende September in der russischen Messstation Argajasch registriert worden, einem Dorf in der Region Tscheljabinsk im südlichen Ural an der Grenze zu Kasachstan. Nur 30 Kilometer vom Kraftwerk Majak entfernt.

Die russische Atombehörde Rosatom wies die Stellungnahme des Wetterdienstes später zurück. Auch der Betreiber der Anlage in Majak, die heute zur Wiederaufbereitung abgebrannter nuklearer Brennstoffe dient, negierte später, dass Majak für die Verschmutzung der Atmosphäre durch den radioaktiven Stoff verantwortlich sei.

Westeuropäische Atombehörden sind da anderer Meinung. Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das französische Institut für Atomsicherheit (IRSN) erklärten bereits Mitte Oktober, als die Messstationen die erhöhten Werte zum ersten Mal feststellten, das radioaktive Material stamme wahrscheinlich aus dem südlichen Ural.

>>> Artikel im "Spiegel".

(red.)