Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

EU-Kommission könnte Niki-Übernahme kippen

Ob Niki bei Lufthansa landet, ist ungewiß
Ob Niki bei Lufthansa landet, ist ungewißAPA/ROBERT JAEGER
  • Drucken

Die EU-Kommission neigt derzeit dazu, den Niki-Deal für die Lufthansa zu untersagen. Die Frist für die Prüfung läuft bis zum 7. Dezember. Reisekonzern Thomas Cook drängt auf Korrekturen bei der Aufteilung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will sich bei Last-Minute-Gesprächen in Brüssel für den Air-Berlin-Deal einsetzen. Spohr werde sich am Mittwoch bei EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager für die Übernahme der Air Berlin-Tochter Niki starkmachen, erfuhr Reuters von einem Insider. "Die EU-Kommission neigt derzeit dazu, den Niki-Deal für die Lufthansa zu untersagen." Die Kranich-Airline kann noch bis Donnerstag Zugeständnisse einreichen, um kartellrechtliche Zweifel auszuräumen. Ein Sprecher der EU-Kommission hingegen betonte: "Die Untersuchung läuft und wir können das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersagen." Die Lufthansa lehnte einen Kommentar ab. Auch "Spiegel"-Online hatte darüber berichtet.

Die Lufthansa hatte im Oktober von der insolventen Air Berlin die Töchter Niki und LGW Walter für rund 210 Millionen Euro übernommen. Die Brüsseler Behörde muss dem noch zustimmen. Sie entscheidet voraussichtlich am 7. Dezember. Sollte die Kommission wie allgemein erwartet Auflagen für notwendig halten, damit der Wettbewerb ausreichend gewahrt bleibt, könnte sie die Frist um zwei Wochen bis kurz vor Weihnachten verlängern. In schwierigen Fällen nimmt sich die Aufsicht 90 Werktage Zeit. Falls die EU-Kommission eine solche vertiefte Prüfung plane, würde die Lufthansa wohl die aktuelle Zwischenfinanzierung von Niki einstellen, wie Reuters jüngst von Insidern erfahren hatte. Niki wäre dann wohl ebenfalls pleite.

"Niki müsste sehr, sehr kurzfristig gegroundet werden. Sehr viele Passagiere wären irgendwo gestrandet", sagte eine andere Person, die mit der Situation vertraut ist. Damit müsste der Flugbetrieb eingestellt werden. "Niki braucht Woche für Woche frisches Geld." Sollte Lufthansa nicht zum Zuge kommen, sei es eher unwahrscheinlich, dass andere Niki-Interessenten einspringen würden. Denn es bleibe wenig Zeit und die Dinge seien sehr komplex. "Ein weißer Ritter müsste sofort mehrere Millionen reinbuttern als Zwischenfinanzierung, bevor man überhaupt in Verhandlungen tritt."

Sollte die Lufthansa nicht wie geplant Niki bekommen und damit auch knapp 1000 Beschäftigte, stünden diese vorm Jobverlust. Zusammen mit der LGW wollte Lufthansa insgesamt 1700 Air-Berlin-Mitarbeiter übernehmen. Air Berlin äußerte sich nicht und verwies auf das laufende Verfahren der EU-Kommission. 

 

Auch Thomas Cook drängt

Der Reisekonzern Thomas Cook drängt auf Korrekturen bei der Aufteilung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. "Wir hoffen, dass die EU-Kommission ein Interesse an fairem Wettbewerb hat", sagte Christoph Debus, Chef der Flugsparte von Thomas Cook, zu der auch Condor gehört, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe).

"Die dominante Stellung, die die Lufthansa bekommen möchte, kann nur nach intensiver Prüfung und unter Auflagen genehmigt werden." Die EU-Kommission müsse sich vor allem die geplante Übernahme des Ferienfliegers Niki durch die Lufthansa-Tochter Eurowings genau anschauen. "Normalerweise darf eine gescheiterte Gesellschaft nur dann von dem dominanten Anbieter übernommen werden, wenn es keine Alternative gibt", sagte Debus. "Im Fall von Niki hat es bekanntermaßen mehrere Alternativen gegeben." Condor hatte zusammen mit dem Österreicher Niki Lauda geboten, auch der British-Airways-Mutterkonzern hatte ein Angebot eingereicht.

Preisexplosion bei Lufthansa nach Air-Berlin-Pleite

"Die Gier is a Hund": Niki Lauda übt scharfe Kritik an Lufthansa

 

(APA)