Vom Roboterkick zur autonomen Logistiklösung

Die Erfolgsgeschichte des steirischen Spin-offs Incubed IT begann mit der Teilnahme an der Fußball-WM für Roboter. Am Mittwochabend wurde es – neben vier weiteren Projekten – mit dem Gründerpreis Phönix ausgezeichnet.

Es waren einmal sieben Studenten. Sie studierten Softwareentwicklung-Wirtschaft an der TU Graz und begeisterten sich für Roboterfußball. Der Höhepunkt: die Teilnahme am Robo-Cup, der Weltmeisterschaft für Roboter, die 2009 in Graz stattfand. Die Veranstaltung mit rund 2000 Teilnehmern aus aller Welt bietet mit ihren Bewerben eine riesige Spielwiese für Industrieanwendungen. Auch das TU-Team sah das Potenzial seiner autonomen, völlig selbstständig agierenden Roboter. Und bald war klar, dass die Studenten auch künftig an einem Strang ziehen wollten. „Wir haben unser Unternehmen 2011 gegründet und die Struktur gleich mitübernommen“, erzählt Stephan Gspandl.

Er wurde so vom Robo-Cup-Teamleiter zum Geschäftsführer des heute 24 Mitarbeiter zählenden Spin-offs Incubed IT. Dessen intelligente Transportroboter sind heute für Logistiklösungen in ganz Europa im Einsatz, die Exportquote liegt bei rund 70 Prozent. Am Mittwochabend wurde das Unternehmen nun mit einem der begehrten Gründerpreise Phönix, die das Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium vergibt, ausgezeichnet.

Ein Laserscanner als Auge

„Wir sind heute Technologieführer“, sagt Gspandl selbstbewusst. „Es gibt nicht viele, die können, was wir können.“ Vor allem die Automobilzulieferindustrie setze auf die Lösungen aus Graz. Bei Continental etwa transportieren die 80 Zentimeter hohen, quaderförmigen Roboter Elektronikteile, die in Zündschlössern verbaut werden. Aber auch die Supermarktkette Spar greift in seinem Logistikzentrum im niederösterreichischen Ebergassing auf Softwarelösungen aus Graz zurück. Dort fährt bereits eine größere Robotergeneration durch die Lager: Die Shuttles rollen mit ein bis drei Tonnen schweren Paletten mit Gurkengläsern, Cola oder Salat durch die Lagerhallen.

„Unsere Roboter haben einen Laserscanner als Auge, um die Umwelt wahrzunehmen“, erklärt Mitgründer Christoph Zehentner. Daraus erstellen die intelligenten Maschinen eine Karte der Umgebung, auf die sie flexibel reagieren. Während Logistikroboter sich sonst an exakt vorgegebenen Wegen orientieren – sie folgen auf dem Boden aufgezeichneten Linien –, wählen die Grazer Logistikshuttles die Route selbstständig. Taucht ein Hindernis auf, umfahren sie es. Zusätzlich kann der Mensch Regionen vorgeben, um den Verkehrsfluss zu steuern. Sonst haben die Roboter freie Fahrt.

Das profunde Softwarewissen des Firmenteams hilft, die Lösungen an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. Doch Gspandl weiß: „Es ist essenziell, immer am Ball zu bleiben.“ Die Firma investiert daher laufend in Forschung und Entwicklung. Es gibt Projekte mit der TU Graz, Diplomarbeiten und Dissertationen werden gemeinsam abgewickelt. Der Firmensitz ist in Hart bei Graz, direkt neben dem Logistikunternehmen Knapp, mit dem man eng zusammenarbeitet.

Mit 25Jahren ein Unternehmen zu gründen sei ein Abenteuer gewesen, das man aber nie bereut habe, sagen Gspandl und Zehentner. Wer seine Ideen verwirklichen wolle, brauche aber eben auch Mut zum Risiko. Und dieser wurde nun in der Kategorie Spin-off mit einem Phönix belohnt, für das Unternehmen bereits die fünfte Auszeichnung seit der Gründung.

Minimotor bis Urlaubsalbum

In der Kategorie Prototyp setzte sich ein Projekt der TU Wien durch. Die Materialwissenschaftlerin Miriam Unterlass stellt nach dem Vorbild der Natur in Druckreaktoren kristalline Kunststoffe mit Bienenwabenstruktur her, die mehr als 600 Grad Celsius und kosmische Strahlung aushalten – „Die Presse“ hat berichtet. In der Kategorie Start-up international nahm die Kärntner Firma NiLab eine Trophäe mit nach Hause. Prämiert wurde die Entwicklung einzigartiger elektrischer Miniaturmotoren, die etwa in der Medizintechnik, aber auch in der Verpackungs- und der Halbleiterindustrie zum Einsatz kommen.

Die Kategorie Business gewann das im Vorjahr gegründete oberösterreichische Start-up Surgebright, das Metallschrauben für chirurgische Operationen durch Knochenschrauben ersetzt. Die Siegerin in der Kategorie Frauen hieß Bianca Busetti. Die erst 27 Jahre alte Mitbegründerin von CPO Journi entwickelte mit ihrem Team eine bereits in 15 Sprachen erhältliche App, mit der sich Fotobücher von Reisen mittels künstlicher Intelligenz auf Knopfdruck gestalten lassen. [ Foto: Martin Lusser]

LEXIKON

Der Gründerpreis Phönix honoriert herausragende Leistungen von Gründern sowie von Forschungseinrichtungen. Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft vergibt Preise in fünf Kategorien. Sie sollen u.a. den erfolgreichen Wissenstransfer aus Forschungseinrichtungen in Form von Unternehmensgründungen aufzeigen. Der von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) organisierte Phönix 2017 wurde am Mittwochabend im Haus der Industrie in Wien verliehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2017)


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