Fokus auf
Dossier

Der Grasser-Prozess

Der Korruptionsprozess um die Buwog-Privatisierung: "Die Presse" beleuchtet neue Aspekte, zeigt Querverbindungen auf und blickt hinter die Kulissen des Gerichtsbetriebs. Im Mittelpunkt: Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Text: Hellin Jankowski, Hedi Schneid, Manfred Seeh.
Illustrationen: Marin Goleminov. Grafik: Katrin Nussmayr, Gregor Käfer.

Spannung bis zuletzt: Der Oberste Gerichtshof klärt erst ganz kurz vor Beginn der Buwog-Verhandlung im Dezember 2017 die Richter-Zuständigkeit. Und gab damit grünes Licht für den größten Korruptionsprozess der österreichischen Justizgeschichte.

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen anfangs 15, mittlerweile - aufgrund eines Todesfalles - nur noch 14 Personen. Diesen drohen jeweils bis zu zehn Jahre Haft. Als Mastermind eines Bestechungskarussells angeklagt: Karl-Heinz Grasser. Mitbeschuldigt sind unter anderem die Lobbyisten Walter Meischberger und Peter Hochegger, der Immobilien-Tycoon Ernst Karl Plech und der ehemalige Chef der Constantia Privatbank Karl Petrikovics. Ob die Anklage hält, ist offen.

Sicher ist: Bis das (erstinstanzliche) Urteil fällt, werden noch Monate ins Land ziehen. Sicher ist auch: Weit mehr als 100 Verhandlungstage sind vergangen, etliche Zeugen wurden einvernommen, protokolle angefertigt - aber nur ein (umstrittenes) Teilgeständnis von Peter Hochegger abgelegt. Alle anderen plädieren nach wie vor auf „nicht schuldig“.

Ein „Presse"-Dossier erklärt, wie das System „Grasser" laut Anklage funktioniert haben soll, wer (mutmaßlich) die Hand aufhielt. Und welch abenteuerlichen Wege die Bestechungszahlungen genommen haben sollen. Zudem werden mögliche Schwächen der Anklage aufgezeigt. Und natürlich wird ausführlich analysiert: Was war da mit der Richterin los?

Darüber hinaus erläutern Psychologen, wie sich bestimmte Verhaltensweisen der Angeklagten auf die Urteilsfindung auswirken.