"Der Ritter der Poesie": Gratulation, Peter Handke!

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Peter Handke, der Ritter der Poesie, wird am 6. Dezember 75 Jahre. Kollegen wie Franzobel und Alfred Kolleritsch, Künstler wie Ernst Molden und Erwin Wurm, Theatermacher wie Karin Bergmann und Maria Happel gratulieren.

Am 6. Dezember 1942 wurde Peter Handke im kleinen Ort Griffen als Sohn der Kärntner Slowenin Maria Handke geboren. Er sei „der Ritter der Poesie“, sagt sein Dichterkollege Alfred Kolleritsch, einer der Prominenten, die für die "Presse" ihre Wünsche an Handke verschriftlicht haben.

Handke, dieser sprachsensible und kritische Autor, hat auch Auseinandersetzungen nie gescheut – von seinem spektakulären Auftritt als junger Rebell der Gruppe 47 in Princeton bis zu Kontroversen über das zerfallende Jugoslawien. Wesentlich aber bleibt sein Werk – Gedichte, Dramen, Romane, Essays, Tagebücher . . . Dieser vielfach Ausgezeichnete ist bereits ein Klassiker, der „besonders durch seinen Blick auch auf das Schöne“ fasziniert, wie ein Gratulant schreibt.

 

Die Gratulanten

Karin Bergmann(c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
Da der einfache Gratulant Gefahr läuft, sich bei den an den Dichter adressierten Grußworten in poetische Höhen aufschwingen zu wollen, wo er sich dann in sehr dünner Luft wiederfindet, wünsche ich nur ganz prosaisch: alles Gute von Herzen. Und nutze den Anlass und die Gelegenheit, mich zu bedanken: „Im Namen des Hauses“ für all jene Theaterstücke, die hier (ur)aufgeführt wurden und das Bild dieses Theaters um eine unverwechselbare Facette bereichert haben und immer noch bereichern. Sollte es in meiner verbleibenden Zeit an diesem Theater noch eine Gelegenheit geben, einen neuen Text auf die Bühne zu bringen, wäre das eine große Freude!
Karin Bergmann, Burgtheater-Direktorin

Peter Handke ist der Ritter der Poesie. Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag!
Alfred Kolleritsch, Schriftsteller


Peter Handke fasziniert mich seit langem besonders durch seinen Blick auch auf das Schöne, auf das Heilige. Ich gratuliere herzlich zu seinem 75. Geburtstag.
Bischof Egon Kapellari

Franzobel(c) Die Presse (Clemens Fabry)
Peter Handke sieht im Alter immer besser aus, was zeigt, er muss einiges richtig gemacht haben. Ich bin aufgewachsen mit ihm als Popliteraten, habe dann aber bald gemerkt, er schreibt alles andere denn populär. Mit seinen Texten (außer mit den frühen Stücken und den kurzen Selbstbetrachtungen) konnte ich nie viel anfangen, zu verkrampft, zu humorlos, zu wichtig, aber vielleicht finde ich den Zugang noch, weil als Erscheinung mag ich ihn. Er ist ein Genie darin, die Welt glauben zu machen, er sei ein Genie. Ob er es tatsächlich ist? Zumindest schaut er lässig aus – im Alter.
Franzobel, Schriftsteller

Vor langer Zeit hörte ich im Ö1-„Morgenjournal“ ein Statement von Peter Handke, in dem er Schönheit einforderte. Den genauen Zusammenhang habe ich nicht mehr präsent, doch ich weiß noch, wie provokant mir das vorkam. Das war damals, als mich Reiseführer Handke zu Tankstellen am Stadtrand führte und mich darin bestärkte, auch im zivilisatorischen Ödland Sensationen zu entdecken.
Wolfgang Kos, ehemaliger Direktor des Wien-Museums

In dem Haus da oben am Mönchsberg, dem Haus meiner Schwiegereltern, da gibt es diese eiserne, schwarze Türe, von der man nicht weiß, was dahinter liegt. So eine Blaubart-Situation, hab ich mir zusammengereimt. Und dann doch mal geheim hineingeschaut: Da sind alle Schriften vom Handke, die mein Schwiegervater Hans Widrich gesammelt hat. Alle Schriften vom Handke, die er hier geschrieben, weil er hier gewohnt hat. Fein säuberlich kuvertiert sind sie und geordnet. Keine Leichen und kein Martyrium hinter der verschlossenen Tür, nur in den Büchern. Aber ob er das wunschlose Unglück auch hier geschrieben hat, mein Lieblingsbuch von ihm?
Anja Salomonowitz, Regisseurin


Erwin Wurm(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
Ich gratuliere Peter Handke, fast alle Elfmeter in seinem Leben gehalten zu haben.
Erwin Wurm, Künstler


Peter Handke hat mich seit dem ersten Pulsschlag meines künstlerischen Denkens und Lebens begleitet; in seinen Romanen und Theaterstücken, mit seinen kontroversiellen Ansichten, seinen Reisen in die Sprache meiner Herkunft und schließlich irgendwann auch persönlich als Freund. Unsere letzte Begegnung fand statt zwischen Stift Griffen und Ruden, den Dörfern, aus denen wir kommen. Wir haben versucht, die Reste der Straße zu finden, die er in seinem letzten Stück „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ beschreibt. Ich habe Handke eigentlich immer irgendwie „unterwegs“ erlebt. In Paris, in Salzburg, wandernd, wachen Sinnes, mal in Socken in meinem Garten. Seine Dichtung, seinen „wachen Sinn“, wir brauchen ihn bitter.
Martin Kušej, Regisseur und Intendant, designierter Direktor des Burgtheaters

Wenn ich meine Sprachverliebtheit als Teenager in einem Werk bestärkt sah und sie als Möglichkeit begriff, die Welt und ihre Grenzen, innerhalb derer sich normalerweise Sprache bewegt, zu verändern und zu sprengen, dann war das „Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“. Wenn mir ein Buch damals ganz bestimmt das Leben gerettet hat, dann war es „Die Lehre der Sainte-Victoire“. Wenn mich „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“ wieder an Theater glauben ließ, dann drängt sich die Vermutung auf, dass Peter Handke mich wesentlich geprägt hat. Und nicht nur mich! Das Geburtstagskind soll hoch leben wie ein Geburtstagskind!
Tomas Zierhofer-Kin, Intendant der Wiener Festwochen

Maria Happel(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
Lieber Peter Handke, ich wandere heute in Gedanken mit Ihnen durch die Donauauen, bringe Ihnen ein Ständchen auf der Maultrommel und trinke im Gasthaus "Zum Grünen Baum" ein Glas Hollundersaft auf Ihr Wohl!
Maria Happel, Schauspielerin


Lieber Peter Handke, die Unvernünftigen sind nicht ausgestorben. Für Sie war das Theater immer eine primäre Welt, keine, die nur etwas nachahmt, sondern selber eine Realität. Hier haben Sie das Publikum beschimpft, da wir nichts voneinander wussten. Die Spuren der Verirrten folgten Ihrer Weissagung. Happy Birthday, lieber Pilznarr. In fünf Jahrzehnten haben Sie ein an formaler Schönheit und brillanter Reflexion beispielloses Bühnenwerk geschaffen. Ihr poetisches Staunen führte und führt zur für mich wichtigsten epischen Literatur des Theaters nach Brecht. Weiter geht's, langsam im Schatten.
Thomas Oberender, Autor und Dramaturg


Konrad Paul Liessmann(c) Die Presse (Clemens Fabry)
Wenige Schriftsteller haben mich in meiner Jugend so stark beeinflusst wie Peter Handke. „Der Hausierer“, die „Publikumsbeschimpfung“ und „Kaspar“ öffneten mir den Blick für die zeitgenössische Literatur, Peter Handkes frühe Aufsatzsammlung „Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms“ war maßgeblich für mein zunehmendes Interesse an ästhetischen und literaturtheoretischen Fragen, und seiner Gedichtsammlung „Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“ verdankte ich den bis heute essenziellen Hinweis auf die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27. 1. 1968. Und dass „Tell me“ von den Rolling Stones einer meiner Lieblingssongs wurde, ist auch Peter Handke geschuldet. Und dennoch, das faszinierte mich von Anbeginn, war Handke alles andere als ein Popliterat, wie lang immer er auch die Haare tragen sollte. Meine ersten Arbeiten in meinem Germanistikstudium schrieb ich über Peter Handke, bis heute unvergesslich die endlose Nacht im Studentenheim, in der ich eine Abhandlung über „Wunschloses Unglück“ verfasste. Leiter des entsprechenden Seminars war übrigens ein junger Dozent namens Wendelin Schmidt-Dengler, der wie kein anderer für Literatur begeistern konnte. Handkes weitere Arbeiten haben mich dann, wenn auch nicht mit der Ausschließlichkeit der frühen Jahre, in meinem geistigen Leben bis heute begleitet.
Konrad Paul Liessmann, Philosoph

Ich gratuliere Peter Handke, den ich zweimal kenne – als Autor und als Privatmensch. Ich hatte und habe die Ehre, viele Rollen aus seinen Stücken zu spielen und mit Leben zu erfüllen. Auch kenne ich ihn als begeisterten Fußballer. Wir sind damals vom Salzburger Gebirge in ein Gasthaus runtergegangen, um Spiele der Fußballweltmeisterschaft anzuschauen. Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag!
Martin Schwab, Schauspieler


Regina Fritsch(c) Die Presse (Clemens Fabry)
Lieber Peter Handke! Sie waren ein so großes Idol und Vorbild meiner Jugend... Niemals hätte ich damals zu träumen gewagt, Sie jemals persönlich kennenlernen zu dürfen und schon gar nicht, eines Tages in einer Uraufführung Ihre Texte zu ergründen versuchen! Danke, dass es Sie gibt, danke für alles, was Sie mir eröffnet und geschenkt haben! Alles Gute zum Geburtstag wünscht Ihnen von ganzem Herzen Ihre
Regina Fritsch, Schauspielerin


Die literarische Arbeit Peter Handkes nahm ihren Anfang in einem Zöglingsheim der eigenen Art, das damals eine von vielen Niederlassungen der österreichischen Nachkriegslüge war, eine Nebenstelle des Verschweigens und Verdrängens. Von allem Anfang an war die slowenische Sprache ein wichtiger Teil Handkes geistiger Welt. Die Gegenwart zweier Sprachen in der Kindheit hat entscheidend den Zugang zur Literatur nicht nur erleichtert, sondern auch beflügelt. Peter Handke hat mit seiner Haltung geistige Grenzen ausgelöscht, neue Maßstäbe gesetzt, den großen europäischen Kulturraum beeinflusst, beunruhigt und bereichert. Grund genug, ihm dazu herzlichst zu gratulieren.
Florjan Lipuš, Schriftsteller

Ernst Molden(c) Die Presse (Clemens Fabry)
Alles Gute, Peter Handke! Mir sind Sie ein ewiges Vorbild im „Europäischen Geist“, im Flanieren also, im Zweifeln, im Zürnen und im Lieben. Und lustig sind Sie noch dazu! Ihre Bücher sind Leuchttürme, ich lese Sie, wie ich Dylan höre.
Ernst Molden, Liedermacher und Schriftsteller