Papst-Programm 2010: Synagoge, Nahost und vier Reisen

Benedikt XVI. besucht Zypern, Malta, Portugal und England.

Der Besuch in der Synagoge am Tiber-Ufer am 17. Jänner ist der erste große Termin für Papst Benedikt XVI. im neuen Jahr 2010. Auch wenn die Visite durch die Auseinandersetzungen um die Zuerkennung des "heroischen Tugendgrads" an Pius XII. überschattet ist, hat die Begegnung hohe Bedeutung für die Weiterentwicklung der katholisch-jüdischen Beziehungen.

Themenschwerpunkt soll für den Vatikan 2010 der Nahe Osten sein. Für kommenden Oktober hat Benedikt XVI. eine Bischofssynode für die Krisenregion einberufen. Die Weltkirche müsse sich mit der schwierigen Situation der christlichen Minderheit in der Urheimat des Christentums auseinandersetzen. Die thematische Weichenstellung für die Synode erfolgt bereits im Juni auf Zypern. Bei einer offiziellen Visite auf der Insel will Benedikt XVI. das Arbeitspapier vorstellen, das derzeit auf Grundlage von Erhebungen in der Region erstellt wird.

Vor Zypern stehen noch zwei andere Auslandsbesuche auf dem Papstprogramm: Mitte April fährt Benedikt XVI. nach Malta. Es ist eine Reise im Nachklang zum Paulus-Jahr. Der Völkerapostel war auf dem Weg von Palästina nach Rom auf der Mittelmeerinsel gelandet. Einen Monat später ist der Papst zu Gast im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima. Weiter ist für Mitte September offenbar eine viertägige Reise nach England geplant. Anlass ist die erwartete Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman (1801-1890), dem wohl bekanntestens Konvertiten von der anglikanischen zur katholischen Kirche.

Während dieser Reise - so sie zustande kommt - dürfte auch die neue Regelung für übertrittswillige Anglikaner zur Sprache kommen. Der Vatikan hatte dafür im November eine neue Kirchenstruktur geschaffen und damit zunächst Irritationen in der Ökumene ausgelöst. Allerdings hat die neue Struktur bisher noch keinen großen "Run" übertrittswilliger Anglikaner ausgelöst.

Zu den ökumenischen Großereignissen 2010 zählt der Papstbesuch in der evangelisch-lutherischen Kirche Roms am 14. März. Weiter werden mit Spannung die Kontakte zur Orthodoxie, vor allem zum Moskauer Patriarchat, beobachtet. Ob ein Treffen von Benedikt XVI. und Patriarch Kyrill I. näher rückt - in Rom, in Moskau oder an neutralem Ort - ist allerdings fraglich.

Noch bis Mitte Juni dauert das Internationale Priesterjahr - eine Initiative, die besonders das pastorale Profil der rund 400.000 Priester weltweit schärfen soll. Leitfigur ist der französische Landpfarrer Jean-Marie Vianney (1786-1859), der als "Pfarrer von Ars" bekannt wurde und der zum Ende des Priesterjahres zum Schutzpatron aller Priester erhoben werden soll.

Ein geistlicher Höhepunkt 2010 könnte dann im Oktober die Seligsprechung von Johannes Paul II. werden. Sollten die noch offenen Fragen des laufenden Verfahrens bis dahin geklärt sein, wäre der 2005 verstorbene polnische Papst zwar nicht "santo subito" (sofort heilig), wie die Sprechchöre bei der Trauermesse für ihn gefordert hatten. Aber es wäre das kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit.

(Ag.)