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Der Moderator als moralische Instanz

Haider
(c) APA (HELMUT FOHRINGER)
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Man muss nicht gleich von einem "verschissenen Land" sprechen – oft reichen schon kleine Tipps.

Guten Abend, die Damen, guten Abend, die Herren, guten Abend, die Madeln, servas, die Buam.Heute möchte ich mit Ihnen über ein Thema plaudern, das mit Alfons Haiders Sager von Österreich als „verschissenem“ Land neue Aktualität bekommen hat: Der TV-Moderator als moralische Instanz. Dabei muss es gar nicht immer politisch zugehen, oft sind es nur kleine Hinweise, die das Publikum dankbar aufsaugen sollte. Denken wir etwa an den Sager von Hans Rosenthal, der in „Dalli Dalli“ einen Kandidaten zurechtwies: „Nicht winken, Sie sind in einer Großstadt – das kann man doch nicht machen!“ Recht hatte er, auch wenn der Appell kaum Früchte getragen hat und das Publikum von Bingo, Musikantenstadl und Co. immer noch reflexartig das Händchen hebt, sobald eine Kamera naht. (Ein ähnlicher Reflex ist das Applaudieren nach der Landung von Charterflugzeugen– das man übrigens am besten konterkariert, indem man lautstark „Zugabe“ schreit.)

„Man sollte nicht immer die gleichen Fehler machen, die Auswahl ist doch groß genug“, riet seinerzeit „Was bin ich?“-Moderator Robert Lembke seinen Zusehern. Und auch Thomas Gottschalk kann man in diesem Zusammenhang eine gewisse analytische Begabung nicht absprechen: „Von den Menschen, die ein Brett vor dem Kopf haben, sind wohl die Schachspieler die intelligentesten.“ Nicht so blöd, oder?

Allerdings: Nicht jeder legendäre Showmaster eignet sich auch als moralische Instanz – man denke an Hans Joachim Kulenkampffs Aussagen à la: „Frauen müssen das letzte Wort behalten – aber leider nicht für sich.“ Nun, vielleicht hatte Peter Alexander doch recht, als er sagte: „Wahrscheinlich wäre es für die Welt besser, wenn es kein Fernsehen gäbe.“


erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2010)