Trotz Überalterung und sinkender Geburten bleibt die Sozialquote gleich, so ein Ministeriumsexperte.
WIEN(red.). Veraltete Bevölkerung, sinkende Geburtenrate, und trotzdem ist alles halb so schlimm? In den nächsten 20 Jahren soll die Sozialquote (der Anteil von Sozialausgaben und Pensionszahlungen am Bruttoinlandsprodukt) kaum oder nur mäßig steigen.
Errechnet hat dies Hans Steiner, Leiter der Grundlagen- und Forschungsabteilung im Sozialministerium. Er ist überzeugt, dass der Sozialstaat auch in 20Jahren noch leistbar ist. Steiners Szenarien: Alterungsbedingte Mehrkosten muss das Sozialsystem tragen (jährlich plus 0,9 Prozent an Ausgaben), die Sozialausgaben steigen um ein Prozent pro Jahr. Wächst das BIP um 1,5Prozent pro Jahr (von 1990 bis 2008 waren es 2,4 Prozent), kommt man auf eine Sozialquote von 31,2 Prozent im Jahr 2030. Wächst das BIP um zwei Prozent, sinkt die Quote auf 28 Prozent. 2008 lag sie bei 28,3 Prozent.
Für plausibel hält Steiner seine Annahmen, weil seit 15 Jahren bereits substanzielle Konsolidierungsmaßnahmen bei den Sozialleistungen gesetzt werden – was fortzusetzen sei. Außerdem entlaste die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen das System. Einen Höchstwert der Sozialquote erwartet der Experte übrigens für 2009. Sie dürfte bei 30 bis 31 Prozent liegen, wegen der Wirtschaftskrise. Der bisherige Höchstwert lag 2003 bei 29,6 Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2010)