PH Wien: Auch Lehrer müssen sich "drübertrauen"

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)
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Ein neues Fachdidaktik-Zentrum an der Pädagogischen Hochschule Wien will Schülern und Lehrern Physik, Chemie und Co. näherbringen.

Wien. Manchmal sind es nicht die Kinder, die sich davor scheuen, etwas Neues kennenzulernen. Manchmal sind es auch die Lehrer, die einen Stupser brauchen, damit „sie sich drübertrauen“, wie es Andrea Gerber formuliert. Gerber ist Koordinatorin des neuen Fachdidaktik-Zentrums an der Pädagogischen Hochschule Wien. Dieses umfasst eine Lernwerkstatt, eine Experimentierwerkstatt, ein Haus der Mathematik und in Kürze auch eine Forscherwerkstatt.

Hier können sich angehende, aber auch bereits unterrichtende Pädagogen Anleitungen holen, wie man etwa in der Volksschule einfache physikalische und chemische Versuche aufbaut und durchführt. „Volksschullehrer sind nun einmal keine Physiker und Chemiker“, sagt Gerber. „Hier geben wir Hilfestellung, wie man die Schüler dennoch mit einfachen Mitteln an die Naturwissenschaften heranführen kann.“

Versuche durchführen

Das ist insgesamt das Ziel dieses Fachdidaktik-Zentrums: bei den Kindern die Freude an Biologie, Physik, Chemie, Mathematik zu wecken – und in höheren Klassen auch zu erhalten. Dabei dürfen auch Fehler unterlaufen, betont Gerber. „Fehler sind okay. Fehler sind nichts Schlechtes. Wichtig ist aber, dass man aus Fehlern lernt.“

Lehrerfortbildung, das ist das eine Angebot des Zentrums. Doch Lehrer können auch mit ihren Klassen an die Pädagogische Hochschule kommen, um beispielsweise in der Lernwerkstatt Versuche durchzuführen oder zu einem bestimmten Thema zu arbeiten. An diesem Vormittag geht es um das Thema Wasser. Wie funktioniert der Wasserkreislauf? Wie viel Wasser benötige ich wozu? Aber auch: Wie schmeckt Wasser?

Eingebunden sind hier sowohl Volks- als auch Hauptschüler, allesamt besuchen sie eine Übungsschule der Pädagogischen Hochschule. Mädchen und Burschen der vierten Klasse Hauptschule fungieren als Vermittler. Ihnen wurden zuvor die entsprechenden „Lernsettings vorgestellt“, erklären die Pädagoginnen Helga Hörndler und Barbara Holub. Hörndler ist Klassenlehrerin der Hauptschüler, Holub unterrichtet in einer Mehrstufenklasse Sechs- bis Zehnjährige.

Wie kann man Wasser sparen?

Die Kleineren gehen von Station zu Station – die Älteren begleiten sie. Wie viel Wasser wohl innerhalb von zwei Stunden aus einem undichten Wasserhahn tropft? Die Volksschüler dürfen Schätzungen abgeben. Ein Krug wird unter den Wasserhahn gestellt. Manche meinen, es werde ein halber Liter sein, andere ein ganzer Liter. Das Wasser wird nach Ablauf der zwei Stunden in einen Messbecher geschüttet. Es sind etwas mehr als 0,6 Liter. Die Kinder staunen.

Wie aber kann man Wasser sparen? Auf Plakaten sollen die Mädchen und Buben ihre Ideen zu Papier bringen. „Vollbad ist nicht so gut“ ist dann zu lesen, aber auch „Mehr Wäsche auf einmal waschen“, und: „Beim Zehneputzen Wasser abtren“.

Eine Powerpoint-Präsentation stellt den Wasserkreislauf vor, auf einer Kochplatte wird anschaulich gemacht, wie Wasser zu kochen beginnt, verdunstet, schließlich wieder abkühlt. Insgesamt lädt die Lernwerkstatt dazu ein, Neues mit allen Sinnen zu begreifen. So lernen die Kinder bei einem an „Mensch ärgere dich nicht“ angelehnten Spiel alle möglichen Fakten rund ums Wasser.

Thermalwasser aus Oberlaa

Und dann gibt es noch verschiedenste Flaschen mit Wasser, die zum Durchkosten einladen. Schmeckt ein Wasser anders, besser, schlechter als ein anderes? Wie schmeckt es mit, wie ohne Kohlensäure? Aus manchen Flaschen riecht es allerdings nicht so, dass es zum Trinken einlädt. Die Kinder rümpfen die Nase. „Das ist Thermalwasser aus Oberlaa“, sagt Hörndler schmunzelnd.

Mix von Techniken

Die Volksschüler haben an diesem Vormittag inhaltlich viel gelernt, die Hauptschüler an Kompetenz gewonnen, etwas zu vermitteln. Für die beiden Lehrerinnen hat das Projekt vor allem viel Vorbereitung bedeutet. Vorbereitung, die sich allerdings lohnt, um die Naturwissenschaften für die kommende Generation attraktiv zu machen, wie Gerber betont.

Sie lädt alle interessierten Pädagogen ein, sich am Fachdidaktik-Zentrum Anleihen für ihren Unterricht zu holen. Wichtig sei immer der richtige Mix von Vermittlungstechniken, ist Gerber überzeugt. Dazu gehören einfache Experimente im Unterricht, Gruppenarbeiten, Spiele. Dazu gehöre aber auch der Frontalunterricht. „Es gibt Kinder, die das auch brauchen, sich einmal auf eine Sache zu konzentrieren.“ Wichtig sei, dass das Interesse der Schüler niemals erlischt.

www.phwien.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2010)

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