Golden Globes: Eine Gala mit Schönheitsfehlern

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Verhaltener als sonst feierte Hollywood sich selbst. Die Realität ließ sich nicht ausblenden. Rot-gelbe Schleifen mahnten an Haiti.

Die Rahmenbedingungen waren wahrlich nicht zum Feiern angetan, als Hollywood zur Golden-Globe-Gala zusammenkam. Wie lässt sich eine Party halbwegs ohne Peinlichkeiten über die Runden bringen, wenn der Rest des Universums im Banne einer Katastrophe steht? Wie lässt sich der Eindruck der Obszönität vermeiden, wenn auf der anderen Seite des amerikanischen Archipels unsagbares Leid herrscht?

Viele der Film- und Fernsehstars hatten sich denn auch eine rot-gelbe Schleife an die Brust geheftet, die das Bewusstsein für die Erdbebenopfer in Haiti wachhalten sollte. Nicole Kidman animierte zum Spenden, und George Clooney nahm es ganz pragmatisch. Er wanderte im Ballsaal des Beverly Hilton von Tisch zu Tisch, um hochkarätige Prominenz für seine Spendenaktion zu rekrutieren.

Meryl Streep brachte das Schizophrene der Veranstaltung auf den Punkt. Der Rat ihrer Mutter gab schließlich die Devise für den Abend vor: „Zieh dir ein Kleid an, setze ein Lächeln auf und sei verdammt noch mal dankbar, dass du mit deinen Dollars helfen kannst.“ Sie hatte aber auch leicht reden. Ausgezeichnet als beste Schauspielerin im Komödienfach besiegte sie sich selbst: Als Köchin in „Julia&Julia“ stach sie die Frau in Liebesturbulenzen in „It's Complicated“ aus.

Das Wetter meinte es nicht gut mit ihren Geschlechtsgenossinnen, die um ihr toupiertes Haar bangten. Wer hat eigentlich behauptet, dass es in Südkalifornien nie regne, wie es ein Song suggeriert? Zu allem Überdruss spöttelte dann auch noch Moderator Ricky Gervais über ein Event, das glatt als Kongress für plastische Chirurgie durchgehen könnte.

Mit typisch britischem Humor, der gern auch unter die Gürtellinie zielte, stichelte er prostend und prustend gegen Mel Gibson & Co. und machte auch vor den Kalamitäten beim TV-Sender NBC nicht halt, der die Gala ausstrahlte: „Wenn ich nicht bald weitermache, werde ich noch von Jay Leno abgelöst.“

Samuel L. Jackson kehrte dafür den Galan hervor, als er Sophia Loren mit Handkuss auf der Bühne begrüßte. Die italienische Diva überreichte Michael Haneke den Preis für den besten fremdsprachigen Film, und der wusste erst gar nicht, wie er sich einen Weg durch die Menge bahnen sollte. „Entschuldigen Sie mein schlechtes Englisch und meinen Jetlag“, sagte er. Umso eloquenter – wie die Filmfigur Hans Landa in „Inglourious Basterds“ – richtete danach Christoph Waltz seine Dankesrede an Regisseur Quentin Tarantino.

Für das deutschsprachige TV-Publikum hatte Sandra Bullock, Tochter einer deutschen Opernsängerin, zu nachtschlafener Zeit einen Tipp parat: „Geht ins Bett – und Zähneputzen nicht vergessen.“ Da überkam auch den von Budgetnöten geplagten Gouverneur Arnold Schwarzenegger ein Schmunzeln. Scherzhaft schlug er seinem Freund James Cameron vor, Kalifornien die Hälfte des Gewinns von „Avatar“ zu überlassen.

Cameron war der große Gewinner des Abends, obwohl er selbst nicht damit gerechnet hatte: „Ich dachte, Kathryn macht das Rennen“, meinte er knapp. Er wollte es kurzmachen, weil die Blase drückte. Kathryn Bigelow, Camerons Exfrau, ging mit ihrem Kritikererfolg „Hurt Locker“ indes leer aus.

Es wäre nicht Hollywood, wenn es nicht doch Momente der Rührung gegeben hätte. Etwa, als ein lockerer Robert De Niro seinen Weggefährten Martin Scorsese würdigte. „Wir sind wie ein altes Ehepaar – wir schlafen nicht mehr miteinander“, witzelte er. Das Publikum spendete dem Cecil-B.-DeMille-Preisträger stehende Ovationen. Wie Scorsese musste auch Jeff Bridges – mit trendigem Vollbart – lange auf die Anerkennung warten, und als es so weit war, erinnerte er sich, wie er als Kind durch den Ballsaal wirbelte. Da war Hollywood wieder ganz bei sich selbst.

Siehe auch Feuilleton Seite 23

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2010)

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