Risiko bei Aktien hat sich kaum ausgezahlt

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Deutsche Aktien schnitten seit 1968 kaum besser ab als festverzinsliche Wertpapiere. Gemessen am ATX, dem Leitindex der Wiener Börse, stehen die Aktienkurse auf dem Stand wie vor fünf Jahren.

wien (red.). Gemessen am ATX, dem Leitindex der Wiener Börse, stehen die Aktienkurse auf dem Stand wie vor fünf Jahren. Grund ist der dramatische Absturz infolge der Finanzkrise. Das wirft wie nach jedem Einsturz die berechtigte Frage auf: Lohnt das Risiko für passive Kleinanleger, die in Aktien ein langfristiges Investment sehen?

Eher nicht, verdeutlicht eine Berechnung des Handelsblatt-Research in Deutschland. Dabei wurde der deutsche Leitindex DAX mit dem Rentenindex REX bis ins Jahr 1968 zurück verglichen. Der DAX dient dabei als aussagekräftiger Maßstab für die Aktien, denn in dem Index werden nicht nur die Kurse abgebildet, sondern auch Dividenden (der ATX spiegelt etwa nur die Kurse wider). Der Rentenindex gibt die Renditen für festverzinsliche Wertpapiere (etwa Anleihen) an, die als weitaus sicherer gelten.

Die Studie nimmt an, dass die Anleger die Aktien für jeweils zehn Jahre halten. Bis 1968 wurden 33 Abschnitte mit einer Anlagedauer von zehn Jahren berechnet.

Starke Schwankungen bei Aktien

Die Ergebnisse werden den langfristig orientierten Aktienanlegern, die ihre Portfolios kaum umschichten, wenig gefallen.
•Bei den Aktienanlagen gab es in den vergangenen 40 Jahren starke Schwankungen. Jene Investoren, die 1970 in Aktien ein- und zehn Jahre später ausstiegen, verbuchten jährlich einen Verlust von mehr als zwei Prozent. Viel zu holen gab es jedoch in der Periode von 1991 bis 2000, wo man als Aktienanleger einen jährlichen Gewinn von über 16Prozent gemacht hätte. Der gesamte Gewinn wäre somit bei satten 360Prozent gelegen.
•Bei den festverzinslichen Wertpapieren können die Anleger weit ruhiger schlafen, da es keine große Schwankungen gibt. Die beste Zehnjahresperformance haben diese Wertpapiere von 1975 bis 1984 geliefert. Für die Anleger gab es dabei eine jährliche Rendite von 8,6Prozent. Die schwächste Zehnjahresperformance lag bei jährlichen 4,7 Prozent.

Renten kaum schwächer als Aktien

•Wenn man den Durchschnitt zwischen den Zehnjahresrenditen errechnet, dann liegen die Aktien nur geringfügig besser als die sichereren Renten. Die Aktien brachten nämlich von 1968 bis 2009 eine Jahresrendite von 7,5Prozent ein. Die Renten waren mit 7,2Prozent kaum schwächer. Und: Bei nur 18 der 33 untersuchten Zehnjahresrenditen lagen die Aktien tatsächlich besser als die Renten.
•Es hilft auch wenig, sein Portfolio in Aktien und festverzinslichen Wertpapieren ausgewogen aufzuteilen. Die Renditen der Aktien und Renten haben sich laut der Beobachtung kaum gegenläufig verhalten. Das heißt, auch wenn die Aktien ein schlechtes Jahr hatten, lieferten die Renten deswegen keine außerordentlich hohe Rendite oder umgekehrt. Eine Risikostreuung in Aktien und Renten hätte demnach kaum etwas gebracht.

AUF EINEN BLICK

Laut einer Studie in Deutschland hat sich das Aktienrisiko für passive und längerfristig orientierte Anleger in den vergangenen 40 Jahren kaum ausgezahlt.

Aktien haben gegenüber festverzinslichen Wertpapieren (etwa Anleihen) eine kaum höhere Rendite bei zehnjährigen Anlagen gebracht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2010)

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