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China: Handysperre wegen "anstößiger" Nachrichten

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(c) EPA (Ian Nicholson/pa)
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Chinas Mobilfunker überwachen den Inhalt von Milliarden SMS. Deuten "anstößige" Wörter auf Pornografie, Verbrechen oder Terror hin, wird der SMS-Dienst für die Betroffenen gesperrt.

Chinas Regierung verschärft die Zensurmaßnahmen nun auch für Mobiltelefone. Die jüngsten Maßnahmen nehmen private SMS-Nachrichten ins Visier. Laut einem Bericht der "China Daily" haben die drei großen Mobilfunker des Landes, China Mobile, China Telecom und China Unicom, bestätigt, sämtliche SMS zu überwachen. Wird ein "anstößiges" Wort entdeckt, wird der SMS-Dienst für den betroffenen Nutzer gesperrt, heißt es. Berichte, dass die gesamte Rufnummer gesperrt würde, wies China Mobile zurück.

Keine "Liebes-SMS" an Partner

Die Schlüsselbegriffe, die zu einer Sperrung führen können, entnehmen die Mobilfunker einer von der Polizei erstellten Liste. Die Liste umfasst Wörter, die auf verbotene Inhalte wie Pornografie, Gewaltverherrlichung und Anleitung zum Terrorismus hindeuten. Ob der SMS-Dienst für bestimmte Nutzer gesperrt wird, entscheide letztendlich die Polizei, nachdem auffällige SMS von den Mobilfunkern weitergeleitet wurden. Laut dem Bericht der "China Daily" befürchten einige Kunden ungerechtfertig gesperrt zu werden, weil sie etwa Nachrichten mit sexuellem Inhalt an ihre Ehegatten versenden.

Unterlassungs-Erklärung unterschreiben


Der britische "Telegraph" berichtet bereits von ersten Opfern der Maßnahme. Er musste sich an die Polizei wenden und unterschreiben, dass er keine weiteren Nachrichten mit verbotenen Inhalten versenden wird. Sollte das Zensur-Vorhaben längerfristig umgesetzt werden, stehen Chinas Mobilfunker jedenfalls vor einer großen Aufgabe: Im September 2009 gab es in China rund 650 Millionen Handyverträge - 508 davon wurden bei China Mobile abgeschlossen. Der größte Mobilfunker verzeichnet laut dem "Telegraph"-Bericht alleine 1,7 Milliarden SMS pro Tag.

 

(sg)