Hoteliers klagen über Dumpingpreise und Banken, die sie in die Enge treiben. Mit den Schleuderpreisen dürfte es aber bald vorbei sein. Man habe erkannt, dass Kampfpreise und eine hohe Auslastung zu jedem Preis nichts bringen.
ZELL AM SEE (cim). Auch wenn es in den alpinen Touristenhochburgen dieser Tage nicht danach aussieht: „Die Hotellerie steckt in der Krise“, sagt Peter Peer, Kopräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) zur Eröffnung des ÖHV-Kongresses in Zell am See.
Die Buchungslage sehe „nicht so dramatisch“ aus, aber die Preise und damit die Umsätze seien massiv eingebrochen. Während die Zahl der Gästenächtigungen im Vorjahr (bis Ende November) um moderate 1,9 Prozent gefallen ist, dürften die Umsätze klar zweistellig geschrumpft sein. Dafür sprechen mehrere Indikatoren: Der Hotelpreisindex der Plattform Hotels.com ist um 23Prozent, die Ausgaben in den Hotels sind laut Kreditkartenabrechnungen um elf Prozent gefallen, der Vorsteuergewinn der heimischen Viersternhotels ist den Daten von Webmark Hotellerie zufolge im Vorjahr um 7,1Prozentpunkten unter dem Wert von 2008 gelegen.
Sepp Schellhorn, Kopräsident der ÖHV, erwartet, dass die Zahl der Nächtigungen bis Ende 2010 auf das Niveau von 2007 sinken werde – das entspricht einem Minus von zwei Prozent. Das Umsatzminus werde sich bei zehn Prozent einpendeln.
Ende des Preisdumpings kommt
Mit den Schleuderpreisen dürfte es aber bald vorbei sein. Man habe erkannt, dass Kampfpreise und eine hohe Auslastung zu jedem Preis nichts bringen, sagt Peer.
Zusätzlich in die Enge getrieben fühlen sich die Hoteliers von den Banken: Schließlich hätten diese im vergangenen Jahr bestehende Kredite verteuert, Fremdwährungskredite zum ungünstigsten Zeitpunkt zwangskonvertiert oder Kreditlinien gekürzt. Nun drohen massive Einsparungen. Um den Standard zu erhalten, müssten die Hotels jedes Jahr drei bis vier Mrd. Euro investieren, sagt Schellhorn. Heuer könnte der Geldfluss aber auf 1,5 Mrd Euro schrumpfen.
WU-Professor Leo Chini, der die Finanzierung der Hotellerie untersucht hat, ortet eine „deutliche Gefahr“ für die Entwicklung der Hotellerie und negative Folgen für die Regionalwirtschaft. Er plädiert für eine Bundesanleihe mit Staatsgarantie, um die Finanzierung von den Banken unabhängiger zu machen. Mit der Platzierung von zwei Anleihen mit einem Volumen von je 100 Mio. Euro und einer Laufzeit von sieben Jahren könne der Hotellerie einfach geholfen werden.
Die Hoteliers wehren sich vorerst via Internet gegen die, wie es heißt, teils schlechte Betreuung durch Banken. Auf Bankencheck.at können Touristiker Leistungen oder Freundlichkeit ihrer Bank fortan bewerten – so wie Gäste bei Hotels.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2010)