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Gudenus: Ein Hardliner als neuer FPÖ-Klubchef

Vom Rathaus ins Parlament: Johann Gudenus.
Vom Rathaus ins Parlament: Johann Gudenus.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Wiens Vizebürgermeister hat die diplomatische Akademie absolviert, als großer (oder auch kleiner) Diplomat fällt er aber kaum auf. Sondern durch markige bis grenzwertige Sprüche und interessante Reiseziele.

Wien. Rabauke, Elefant im Porzellanladen, Polarisierer, Radikalisierer, Radikaler, politisches Irrlicht: Charmant sind die Charakterisierungen von Nicht-FPÖ-Politikern und Kommentatoren für Johann Gudenus ganz und gar nicht. Hat sich der bisherige Vizebürgermeister der Stadt Wien und mit Walter Rosenkranz neue Klubchef der FPÖ im Nationalrat diesen Ruf verdient?

Der heute 41-Jährige hat zumindest in der Vergangenheit so manches dafür getan. Selbst in der allerjüngsten Vergangenheit. Erst am Montag, die Regierungsbeteiligung der FPÖ war in der Wiener Hofburg gerade erst in fast schon amikaler Atmosphäre besiegelt worden, sprach er sich in einem TV-Interview dafür aus, Asylquartiere sollten am Stadtrand von Wien errichtet werden. Um zu zeigen, dass es hier „doch nicht so gemütlich“ sei, wie er anfügte. Eine Welle der Kritik schwappte über ihn hinweg.

Der berühmt-berüchtigte Spruch aus dem Wahlkampf des Jahres 2013, es werde nun „Knüppel aus dem Sack für alle Asylbetrüger, Verbrecher, illegalen Ausländer, kriminellen Islamisten und linken Schreier“ geben, war wohl ein Hauptgrund für eine Intervention von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Dieser erklärte nämlich, den FPÖ-Spitzenpolitiker als Minister einer künftigen Bundesregierung im Vorhinein abgelehnt zu haben – ohne dass mit letzter Gewissheit bekannt wäre, ob FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache diese Personalrochade überhaupt in Erwägung gezogen hat.

Auch im Ausland fanden Aktivitäten von Gudenus Beachtung: Durch seine „Wahlbeobachtung“ beim international nicht anerkannten „Referendum“ des Jahres 2014 über den Status der Halbinsel Krim beispielsweise. Hefige internationale Kritik folgte auf diesen Alleingang. Genauso wie nach einem der Moskau-Besuche von Gudenus. Gleichfalls 2014 warnte der perfekt russisch sprechende Absolvent der Diplomatischen Akademie vor einer „internationalen Homosexuellenlobby“, kritisierte Nato und USA. Ein anderes Mal bezeichnete er Wladimir Putin als „lupereichen Demokraten“.

Abseits derartiger internationaler Auftritte versuchte Gudenus daheim in Wien als Vizebürgermeister seit der Landtagswahl des Jahres 2015 seine Rolle zu finden. Wegen der bizarren Wiener Landesverfassung trägt er diesen Titel ohne Aufgabenbereich, aber mit hohem Salär. Als selbst ernannter Ombudsman und Besucher aller Magistratsabteilungen des Rathauses hat er sich die Zeit vertrieben. Nun wartet eine heikle Aufgabe im Nationalrat. Der Oppositionspolitiker muss wie sein Mentor Strache den Rollenwechsel vom Oppositions- zum Regierungspolitiker schaffen.

Einmal hat Gudenus, angesprochen auf eine Aussage eines seiner FPÖ-Parteikollegen, gemeint: „Natürlich gibt es in der Politik immer Dinge, die man besser nicht gesagt hätte.“ Wie recht er doch hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2017)