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Schnellauswahl

Außenseiter ist letzte Hoffnung für Ungarns Sozialisten

Gergely Karacsony von der Kleinpartei "Parbeszed" soll die ungarischen Sozialisten in den Wahlkampf führen.

In einer schweren Führungskrise stecken die ungarischen Sozialisten (MSZP). Ihre Beliebtheit bei den Wählern ist mit rund sieben Prozent im Keller. Bezeichnend dafür ist nach Kritikern nun auch, dass sich die MSZP einen Spitzenkandidaten von einer anderen Partei "leihen" musste, nachdem ihr eigener Kandidat Laszlo Botka aus Frust das Handtuch geworfen hatte.

Nun soll Gergely Karacsony, Co-Parteichef der linksliberalen Kleinpartei "Parbeszed" (Dialog), die Partei in den Wahlkampf vor der Parlamentswahl im Frühjahr 2018 führen. Mit seiner Berufung zum Spitzenkandidaten habe die MSZP laut politischen Beobachtern eingestanden, die rechtskonservative Fidesz-Partei von Premier Viktor Orban eigentlich nicht besiegen zu können.

Wird die Kandidatur von Karacsony im Jänner noch durch einen MSZP-Parteitag abgesegnet, soll der 42-Jährige den Kampf gegen den rechtskonservativen Premier Viktor Orban und die Fidesz bei den Parlamentswahlen 2018 anführen. Obwohl Karacsony erklärte, es gebe Hoffnung auf einen Machtwechsel, sprechen die Umfragewerte der Regierungspartei, die bei den Befragten derzeit mit rund 35 Prozent weit vorne liegt, dagegen. In Ungarn haben in Umfragen allerdings seit vielen Jahren 30 bis 40 Prozent der Befragten gar keine Parteipräferenz, was Wahlvoraussagen erschwert.

Karacsony, Soziologe, Politologe und Ex-Parlamentsabgeordneter, ist seit 2014 Bürgermeister des Budapester Stadtbezirks Zuglo, wo er bei einer Nachwahl den Kandidaten von Fidesz besiegte. Seine bürgernahe Politik und soziale Integration sollen dazu geführt haben, dass er aktuell bei einer Umfrage des Institutes Publicus mit 46 Punkten den ersten Platz auf der Liste der beliebtesten ungarischen Politiker belegt, auf der Orban mit 42 Punkten den dritten Platz einnimmt. Zwischen ihnen liegt die Politikerin Bernadett Szel von den Grünen (LMP) mit 44 Punkten.

Karacsony wirft anderen, nicht kooperierenden Parteien der Linken vor, sie würden die Wähler verraten. Deren Mehrheit dränge auf einen Regierungswechsel bei den Parlamentswahlen 2018, während die Unterstützung jener Parteien sinke, die diesen Machtwechsel zum Kampagnenthema machten. Auf Seiten der Linken herrsche "totales Chaos", kritisierte Karacsony.

Er wurde in der regierungsnahen Zeitung "Magyar Idök" als "Wunderwaffe" bezeichnet, mit der die Probleme der MSZP-Parteispitze gelöst werden sollen. Aber an Wunder können wohl selbst die verklärtesten Sozialisten angesichts des Orban-Siegeszuges nicht mehr glauben.

Karacsony hofft immer noch auf ein Zweckbündnis mit anderen linksliberalen Parteien, wie der Demokratischen Koalition (DK) von Ex-Premier Ferenc Gyurcsany, der Kleinpartei "Együtt" (Gemeinsam) sowie der Jugendpartei Momentum. In diesem Bündnis sei gegenwärtig jedoch kein Platz für die rechtsradikale Jobbik-Partei, die größte Oppositionskraft des Landes, die in Umfragen rund zehn Prozent an zweiter Stelle hinter Fidesz liegt. Dennoch müsse auch deren Wählern ein Angebot gemacht werden, erklärte der Spitzenkandidat. Im Februar wolle er sein Schattenkabinett vorstellen, erklärte Karacsony im Sender InfoRadio. Als Anhänger "vernünftiger Kompromisse" hoffe er immer noch auf ein breites Zweckbündnis für die Entmachtung von Orban.

(APA)